Dujardin wird das kulturelle Zentrum am Uerdinger Rheinufer

Uli Hahnen und Matthias Melcher. Foto: Gerda Schnell
Uli Hahnen und Matthias Melcher
OB-Kandidat Uli Hahnen besucht das Atelier von Bart Koning. Foto: Gerda Schnell
OB-Kandidat Uli Hahnen im Atelier von Bart Koning

„Für hervorragende, gleich bleibende Güte bürgen Siegel und Unterschrift“, so steht es auf jedem Etikett des „Uerdinger“. Und darunter handschriftlich ein Name: Melcher. Henry Melcher ließ sich 1740 als „patentyrter Destillateur“ eintragen. Matthias Melcher ist der Ururururururenkel des Firmengründers Henry Melcher. Die Familie Melcher hält die historischen Gebäude und die Weinbrennerei im Familienbesitz. Die Räume werden nach und nach an Künstler und Kreative für Werkstätten, Ateliers und Ausstellungen vermietet.

Matthias Melcher kümmert sich mit Elan, Kreativität und mit vielen Visionen um das Firmengelände an der Hohenbudberger Straße. Dem Spross der berühmten Weinbrenner-Familie liegt am Standort Uerdingen. Seine Vorfahren produzierten in dem charmanten Backsteinbau gemeinsam mit der Familie Dujardin den berühmten Weinbrand. „Bis zu 450 Menschen arbeiteten hier zur besten Zeit“, erklärt er. „Ich bin als Kind hier aufgewachsen, habe bei den Küfern gespielt. Wir wollen das unbedingt erhalten. Diesen 20er-Jahre-Stil sieht man nicht mehr oft.“

Das Firmengelände, in dessen Produktionsstätten nach wie vor der Geist des Weines wahrzunehmen ist, erzählt spannende Geschichte. Die SPD-Vertreter sind beeindruckt von hellen, geräumigen Ateliers, wo sie auf mehrere bildende Künstler treffen, unter ihnen der über Krefeld hinaus bekannte Bart Koning, und von den großen Hallen, teilweise immer noch beherrscht von gewaltigen Fässern und blitzblank geputzten Destillieranlagen.

Die Rohrleitungen sind verplombt. „Vom Zoll. Früher unterhielt der Staat hier sogar eine eigene Zollstation.“ Melcher deutet auf ein gläsernes Büro in der Produktionshalle. Kein Wunder: Bei 20000 Litern Weindestillat täglich kamen pro Tag knapp 200000 Euro Branntweinsteuer zusammen. In mehr als 100 gigantischen Eichenholzfässern können auf dem Firmengelände mehr als eine Million Liter gelagert werden.

Heute ist die Zollloge verlassen. Eine Atmosphäre wie im Museum. Melcher lächelt. „Das sieht so aus. Aber die Brennblasen sind bestens gewartet. Hier könnte schon morgen destilliert werden.“ Für das Morgen des historischen Firmengeländes hat er weitere Ideen: „Im Innenhof kann ich mir sehr gut Außengastronomie vorstellen.“ Denkmal- und Planungsamt sind eingebunden, die Uerdinger Politiker stehen hinter dem Projekt.

Auch Büros und Werkstätten sollen auf Dauer vermietet werden. Und mit Interesse beobachtet Melcher die Fortschritte beim Projekt „Rheinblick“. Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. In zwei Jahren feiert Dujardin in Uerdingen 200-Jähriges. „Bis dahin dürfte sich hier einiges entwickelt haben“, ist sich Melcher sicher.

Die Unterstützung der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Krefeld ist ihm gewiss. Und eine Krawatte "made in Krefeld", die ihm der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Kokol als Leiter der Delegation zum Dank für die interessante Führung nachträglich überreichen wird.