Stehende Ovationen für Franz Müntefering

Bernd Scheelen MdB und Franz Müntefering
Diese Krawatte wird Franz Müntefering am 27. September tragen!
v.l. Christa und Uli Hahnen, Franz Müntefering. Foto: Gerda Schnell
Gut gelaunt: Christa Hahnen, Uli Hahnen, Franz Müntefering

„Die Bude brennt“. Franz Müntefering bot eine famose Überleitung zum Thema Finanzkrise, deren Ausmaße er mit klaren, bildhaften Vergleichen zu erklären versuchte. Doch ein wenig passten seine Worte auch zum Auftritt, den der Parteivorsitzende gestern beim politischen Aschermittwoch der Krefelder SPD bot. Denn die Genossen feierten den 69-Jährigen wie einen Star, dessen Anwesenheit schon allein ausreichte, um mächtig Stimmung in die „Bude“ – in diesem Fall das Stadtwaldhaus – zu bringen.
Müntefering wurde bejubelt. Und das nicht nur einmal. Minutenlang blieb er nach seiner fast einstündigen Rede auf der Bühne stehen und genoss den Applaus seiner Parteifreunde. Schließlich hatte er das erzählt, was die 335 Gäste von ihm erwartet hatten. Er hatte deutlich Stellung bezogen zu den aktuellen politischen Problemen. Er warnte vor unseriösen Finanzgeschäften, und rief auf zu mehr Solidarität und Demokratie. Geld müsse in Forschung und Entwicklung, statt kurzatmig und spekulativ wieder in weiteres Geld investiert werden. „Wenn wir wissen, dass Sparkassen gute Banken sind, dann frage ich mich: Warum schaffen wir nicht überall Sparkassen?“
Geld dürfe nicht die Welt regieren. Müntefering forderte ein Ende der Steueroasen und unverhältnismäßigen Management-Gehälter. „Sittenwidrig niedrige und sittenwidrig hohe Gehälter spalten die Gesellschaft.“ Arbeitnehmer, die bei einem Vollzeitjob weniger verdienten als das Arbeitslosengeld, hätten möglicherweise Verständnis dafür, dass ein Manager zehn oder 50 Mal so viel bekommt – „aber nicht 1000 Mal so viel.“
Für süffisante Seitenhiebe waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Scheelen und OB-Kandidat Ulrich Hahnen zuständig, die beide den politischen Aschermittwoch nutzten, um aus ihrer Sicht Missstände in der Stadt anzusprechen. Krefeld sei die einzige Stadt mit zwei Oberbürgermeistern (OB), sagte Scheelen. Mit einem echten und einem wahren. Gregor Kathstede und Wilfried Fabel waren da gemeint. Der OB hänge bloß an den Fäden, die der Fraktionsvorsitzende dafür hinter vorgehaltener Hand bediene.
Franz Müntefering vernahm’s mit einem Schmunzeln und ging nicht ohne ein Versprechen. Sein Geschenk, eine rot-weiße Seidenkrawatte, wolle er am 27. September tragen, versicherte er. Abends – nach der Bundestagswahl.

Quelle: Rheinische Post Krefeld, Ausgabe 26.02.09