Siegmund Ehrmann mit KulTour im Jazzkeller

Siegmund Ehrmann MdB, im Hintergrund Angelika Niescier
Siegmund Ehrmann MdB bei der Begrüßung
John-Dennis Renken, Hartmut Kracht, Angelika Niescier
John-Dennis Renken, Hartmut Kracht, Angelika Niescier

Trotz der tropischen Temperaturen drängten sich am 21. August über 100 Jazz-Interessierte im Jazzkeller, um Angelika Niescier, hochdekorierte Saxophonistin, im Trio mit den beiden Ausnahmemusikern Hartmut Kracht und John-Dennis Renken zu hören.

Dieses Konzert aus der Reihe "KulTour mit Siegmund Ehrmann", Teil des Wahlkampfes des begeisterten Jazz-Fans, war das erste, welches in Krefeld stattfand.

Angelika Niescier, gerade erst für ihr Album Sublim III mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, Hartmut Kracht an der Bassgitarre sowie John-Dennis Renken, einer der umtriebigsten Trompeter der Szene, begeisterten mit ihrer "Kollaboration" das ganz offenbar sachkundige Publikum.

Flächige Klangmalerei, spritzige Kompositionen, technisch unterstützte und perfekt abgestimmte anpruchsvolle Passagen forderten die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer. Dennoch ließen die Krefelder Jazz-Fans das Trio nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Viele Besucher nutzten darüber hinaus die Möglichkeit, mit dem Bundestagsabgeordneten ins Gespräch zu kommen.

Die Krefelder dürfen sich freuen: Die "KulTour mit Siegmund Ehrmann" macht am 16. September einen weiteren Abstecher in das bekannte Live-Jazz-Lokal. Dann spielt das Eckard Koltermann Quartett.

Und das schrieb die Rheinische Post am 22.08.09 über dieses Konzert:

Klang-Dom im Jazzkeller
VON MOJO MENDIOLA

Bundestagsmitglied Siegmund Ehrmann (SPD) hat einen Teil seines Wahlkampf-Etats in Konzertveranstaltungen gesteckt: So erlebte man jetzt im Jazzkeller das Trio Niescier-Renken-Kracht.
Mit verspielten Solo-Läufen, fast wie zum Üben, eröffnete die Saxophonisten Angelika Niescier das erste Set, John-Dennis Renken auf der Trompete und Bassist Hartmut Kracht stimmten ein, und gemeinsam entwarfen sie aus überwiegend lang gezogenen Klängen eine Impression, die stark an den gegenwärtig erfolgreichen Nordic Jazz erinnerte.
Das Trio widmete sich einer älteren Komposition von Niescier, und Renken setzte nicht nur seine Trompete, sondern auch elektronische Geräusche ein, die allerdings unangenehm von Niesciers klaren Linien und Statements über wohldosierten Bassfiguren ablenkten – ein einmaliger Ausrutscher. Als er wenig später, ebenfalls elektronisch, eine keyboardartige Zweitstimme zu seiner Trompete erzeugte, bereicherte er dadurch ihren Klang und verlieh seinem Spiel einen Hauch von Cuong Vu, der Ältere sicher auch an Miles Davis um 1970 erinnerte.
Ein anderes Stück begann mit dem Bass allein. Kracht steckte den melodischen Rahmen ab, den die anderen unisono aufnahmen und dann zum Dialog entwickelten, wobei wieder jener zarte, kühl-klare nordische Ton entstand. Ganz anders angelegt war die Nummer vor der Pause. Über einen anfangs reduzierten Blues-Rhythmus verballhornten die drei den guten alten New-Orleans-Stil, und Kracht spielte sogar ein verzerrtes Rock-Gitarren-Solo auf seinem Viersaiter, das ihm Szenenapplaus bescherte. Gemäßigt free ging‘s ins zweite Set, und das bedeutete zunächst mehr Arbeit und mehr Profil für Kracht, brachte aber auch Niesciers herausragenden Ton noch stärker zur Geltung als zuvor.
Den Höhepunkt des Konzerts erlebte das begeisterte Publikum, als das Trio in ausgewogener Team-Arbeit immer intensiver schallende Schwebungen schichtete und eine Art Klang-Dom errichtete, wobei die Elektronik wieder eine starke, ja unverzichtbare Rolle spielte. Kein Wunder, dass Niescier, Renken und Kracht erst nach einer Zugabe von der Bühne durften.

Und das schrieb die Westdeutsche Zeitung (22.08.09)

Ein Koffer voller Effekte / von Klaus M. Schmidt
Angelika Niescier mit neuem Trio auf der Bühne im Jazzkeller.
Die Kölner Altsaxofonistin Angelika Niescier ist inzwischen ein Stammgast auf der kleinen Jazzkeller-Bühne. Am Donnerstag präsentierte sie sich wieder mit einer anderen Trio-Formation. „Eine Kollaboration“ nennt Niescier ihr Zusammenwirken mit den Essenern John Dennis Renken (Trompete) und Hartmut Kracht (E-Bass). Das Trio ohne Schlagzeug verblüffte mit dichtem kammermusikalischem Jazz, der zwischen freier Improvisation, origineller Standardinterpretation und ausuferndem Klanggemälde alles zu bieten hatte.

Kracht erdet dieses Trio mit seinem knackigen Sound, der sich auch der Tatsache verdankt, dass er – im Jazz selten – ein Instrument mit Bünden spielt. Dann benutzt er auch noch ein Plektron. Bei Soli setzt er geschickt die Tapping-Technik ein, bei der die Töne allein durch Niederdrücken der Saiten auf dem Griffbrett erzeugt werden. Krachts Begleitlinien sind reduziert, aber manchmal gibt er seinem Instrument auch wie ein E-Gitarrist die Sporen.

Was hat er wohl für einen Ton? Darüber kann man bei John Dennis Renken lange rätseln, denn der junge Trompeter jagt seinen Sound erst mal durch einen ganzen Koffer voller Effektgeräte und arbeitet auch mit einer elektronischen Klangerzeugung. Nun, er hat einen satten, auch im hohen Register klaren Ton. Mit seinen vielen Geräten betreibt er im Übrigen keine Effekthascherei, sondern fabriziert interessante Geräuschkulissen.
Und Frau Niescier? Überzeugt auch in diesem Trio mit ihren eigenwilligen Melodielinien und klingt zwischendurch sogar mal funky. Viel Applaus.