„Zug der Erinnerung“ hält Sonntag bis Dienstag in Krefeld

Mit dem "Zug der Erinnerung", der auf seiner langen Fahrt durch ganz Deutschland nach Polen ab Sonntag, den 20. März, für drei Tage auf auf Gleis 5 des Krefelder Hauptbahnhofs Halt macht, wird der Kinder gedacht, die vor über 60 Jahren mit der Reichsbahn in die Konzentrations- und Vernichtungs-lager deportiert worden sind. Die überregionale Ausstellung wird durch einen Bereich über die Deportation von 35 Kindern und Jugendlichen aus Krefeld ergänzt.

Die Eröffnungsveranstaltung findet am Sonntag um 11:00 Uhr auf Gleis 5 statt. Sie wird durch Musikbeiträge von Mitwirkenden aus verschiedenen Krefelder Schulen eingerahmt.

Besuchszeiten sind am Sonntag von 10 bis 22 Uhr, am Montag und Dienstag von 8 bis 22 Uhr. An den beiden Wochentagen haben sich in der Zeit bis 16 Uhr viele Schulklassen angemeldet, so dass mit besonders lebhaftem Betrieb zu rechnen ist. Erwachsenen wird daher empfohlen, den Zug am Sonntag oder montags und dienstags in den Abendstunden zu besuchen.

Der "Zug der Erinnerung" besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Ob aus Skandinavien oder aus Südgriechenland: Über Tausende Kilometer verschleppten die SS, das Reichsverkehrsministerium und die "Deutsche Reichsbahn" über 1 Million Kinder und Jugendliche. Die Fotos der Opfer und ihre letzten Briefe, die sie aus den "Reichsbahn"-Waggons warfen, stehen für das Los der Millionen, die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden.

Statt entsetzlicher Bilder zeigt die Ausstellung Andenken, die aus unseren Familienalben stammen könnten. Zu sehen ist das Lächeln der Kindheit und der Optimismus der Jugend. Zugleich verweisen die Dokumente auf ein Tabu, das für alle Zivilisationen verpflichtend ist: Das Leben der Kinder zur Erhaltung der Gattung zu schonen. Mit dem Kindermord hat Nazideutschland dieses Gesetz gebrochen und zeitweise außer Kraft gesetzt. Aus Auschwitz und den anderen Lagern kehrten nur wenige Kinder zurück. Ihre beispielhaften Biographien, die Bilder ihrer frohen und erwartungsvollen Gesichter laden nicht nur zum Gedenken ein, sondern vermittelten einen implizite Aufforderung: Gegen die Triebfedern der Verfolgung (Rassismus, Antisemitismus und nationalistische Ideologien) deutlich Stellung zu beziehen.

In einem erweiterten Ausstellungsbereich werden mehrere Täter der unterschiedlichen Funktionebenen vorgestellt, die für den Transport der todgeweihten Kinder und Jugendlichen in die Vernichtungslager sorgten. Mehrere dieser Spezialisten setzten ihre Bahnkarrieren in der Nachkriegszeit fort.

Am Ende des zweiten Waggons hängen die noch leeren, durch die Recherche von Schulen und anderen Organisationen zu füllenden Tafeln mit den Fotos und Biographien einzelner Kinder aus den Gemeinden und Städten entlang der Fahrstrecke.

Der "Zug der Erinnerung" hält auch eine Rechercheneinheit bereit: Computer und eine Handbibliothek laden zur Spurensuche ein.