Bürgermeister Frank Meyer eröffnet die Ausstellung „Zug der Erinnerung“

v.r. Uli Hahnen MdL, Bernd Scheelen MdB, Monika Scheelen, Ulla Ehrmann, Siegmund Ehrmann MdB, Dezernent  Gregor Micus, Rolf Rundmund, Stefanie Mälzer. Foto: Gerda Schnell
v.r. Uli Hahnen MdL, Bernd Scheelen MdB, Monika Scheelen, Ulla Ehrmann, Siegmund Ehrmann MdB, Dezernent Gregor Micus, Rolf Rundmund, Stefanie Mälzer
Bürgermeister Frank Meyer
Bürgermeister Frank Meyer

Vom 20. März bis zum 22. März macht der "Zug der Erinnerung" auf Gleis 5 des Krefelder Hauptbahnhofs Halt. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am ersten Tag wurden drei Ansprachen gehalten, und zwar von Bürgermeister Frank Meyer (SPD), von Herrn Hans-Rüdiger Minow, dem Vorsitzenden des Vereins "Zug der Erinnerung" sowie von Frau Dr. Ingrid Schuppetta, der Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in Krefeld. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Saxophon-Quartett der Musikschule.

Wir drucken hier die Rede ab, die Bürgermeister Frank Meyer in Vertretung für den erkrankten Oberbürgermeister gehalten hat.

Sehr geehrter Herr Minow,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wann ich das erste Mal auf den "Zug der Erinnerung" und die Möglichkeit, diese Ausstellung auch in Krefeld zu zeigen, angesprochen wurde. Es war am Abend des 6. August 2010. An das Datum erinnere ich mich so genau, weil es im Anschluss an eine Gedenkfeier für die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki war. Nun stehen wir heute zur Eröffnung dieser Ausstellung und sind auch an diesem Tag mit unseren Gedanken bei den Menschen in Japan.

Nach den ersten Gesprächen fanden sich schnell Bürgerinnen und Bürger, die sich dafür engagierten, dass auch Krefeld eine Haltestelle des Zuges der Erinnerung wird. Selbst der sonst oft zerstrittene Krefelder Stadtrat sprach sich einmütig dafür aus. Eine wirklich kluge Entscheidung, wie ich angesichts dieser beeindruckenden Ausstellung meine.

Herr Minow, es gelingt dem Verein "Zug der Erinnerung" ohne Effekt heischende Horrorbilder ein Gefühl für das Schicksal der deportierten Kinder und Jugendlichen zu vermitteln. Wir Besucher werden ohne die sonst viel zu häufigen verwendeten Knalleffekte dazu gebracht, uns gedanklich und emotional den Opfern zu nähern, ihrer zu gedenken und schließlich auch Position zu beziehen gegen Rassismus, Intoleranz und Verfolgung. Das Gezeigte spricht für sich selbst.

Wer diese Ausstellung besucht, ist danach ein anderer als vorher. Dies ist ein besonderer Wert. Das gilt gerade für die Schülerinnen und Schüler, die diese Ausstellung in den kommenden Tagen besuchen und dabei auch mit dem Schicksal Gleichaltriger vor etwa 70 Jahren konfrontiert werden. Wie wichtig auch diese Bezugsebene ist, zeigt der Umgang mit der Geschichte von Anne Frank. Ihr Tagebuch, ihre Geschichte ist schließlich nicht nur ein persönliches Zeugnis über die Schrecken von Verfolgung, Flucht, Verstecken und schließlich Tod. Ihr Tagebuch stellt auch einen besonderen Zugang für junge Menschen dar. Eine solche Identifikationsmöglichkeit eröffnet ganz andere Perspektiven.

Besonders wichtig finde ich auch, dass hier der lokale Bezug hergestellt werden kann. Kinder und Jugendliche, von denen hier in diesen Tagen berichtet wird, sind damals durch die gleichen Straßen, der gleichen Stadt gegangen. Dank des Beitrags der "Villa Merländer" in dieser Ausstellung wissen wir: Verfolgung und Deportation sind eben nicht nur die Themen der Anderen. Es sind auch Krefelder Themen.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin trägt am Eingang die bekannten Worte von Primo Levi: "Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben."

Genau diese Formel ist die Brücke zwischen dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf der einen Seite und der Verantwortung für die Zukunft auf der anderen. Während wir hier diese Ausstellung feierlich eröffnen, wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Ein Landtag, dem eventuell auch rechtsextreme Kräfte angehören könnten, denen ich das aufrechte Bekenntnis zu Toleranz und gegen Rassismus abspreche.

Auch 66 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft in Deutschland ist es wichtig, immer wieder daran zu erinnern, welche tödlichen Schrecken es nach sich zieht, wenn eine Gesellschaft sich von der Grundlage des toleranten Miteinanders verabschiedet.

Umso wichtiger sind Bürgerinnen und Bürger, die aufstehen und sich gegen Rassismus und Nazismus wenden. In Krefeld tut dies z.B. das Bündnis für Toleranz und Demokratie. Dieses Bündnis hat sich in den letzten Jahren erfolgreich gegen Versuche der neuen Nazis gewehrt, in Krefeld Fuß zu fassen. Auch und gerade aus diesem Kreis haben sich viele Menschen engagiert, diese Ausstellung nach Krefeld zu holen. Der ehrliche und verantwortungsvolle Umgang mit der Vergangenheit ist die stabilste Brücke in die Zukunft.

Mein besonderer Dank gilt all jenen, die sich für den "Zug der Erinnerung" in Krefeld eingesetzt haben. Im Namen der Stadt Krefeld danke ich den Sponsoren, den Initiatoren und den Organisatoren. Ohne Sie wäre Krefeld um ein Stück Erinnerungskultur ärmer.

Ich wünsche Ihnen allen einen bereichernden Besuch der Ausstellung und dass möglichst viele Krefelderinnen und Krefelder, gerade auch die jüngeren unter ihnen, dieses außergewöhnliche Angebot hier wahrnehmen.

Verabschieden möchte ich mich mit einem Satz von Anne Frank: "Trotz allem glaube ich immer noch, dass die Menschen tief in ihrem Herzen gut sind…"