„Klassentreffen beim Jazz-Quartett“ titelte die Rheinische Post

Caspar van Meel, Bass, Jean-Yves Braun, Gitarre
Caspar van Meel, Bass, Jean-Yves Braun, Gitarre
Siegmund Ehrmann im Jazzkeller Krefeld
Siegmund Ehrmann im Krefelder Jazzkeller

Das Engagement Siegmund Ehrmanns in Sachen Jazz kann nicht hoch genug gelobt werden. Auch die Krefelder Jazzliebhaber profitieren regelmäßig davon, aber leider locken die von dem SPD-Bundestagsabgeordneten gesponserten Jazzkeller-Konzerte nicht immer das richtige, will sagen sachkundige und sensible Publikum an. Manche Besucher verwechseln solch eine Veranstaltung mit einer Party und stören mit ihrer fröhlichen und unbekümmerten Unterhaltung sowohl die Musiker als auch die wirklich interessierten Zuhörer und bringen sich darüber hinaus noch selbst um den Genuss. Schade.

Hier ist der Bericht von Mojo Mendiola, den die RP Krefeld am 11. Mai 2011 veröffentlicht hat:

Klassentreffen beim Jazz-Quartett
Zum fünften Konzert "KulTour mit Siggi Ehrmann" kam das Jean-Yves-Braun-Quartett, und im gut besuchten Jazzkeller tummelte sich ein Publikum ungewöhnlicher Art. Eingefleischte Jazz-Fans einerseits und Parteifreunde Ehrmanns andererseits bevölkerten den langgestreckten Raum, die Schnittmenge zwischen beiden war groß, aber nicht allumfassend, und besonders die Genossen hatten sich viel zu erzählen. So herrschte die angeregte Stimmung eines Klassentreffens, bei dem die Band nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Dennoch fügten sich die verschiedenen Strömungen zusammen, weil Braun und die Seinen ihrerseits eine Musik spielten, die des Zuhörens wert, zugleich aber auch hintergrundtauglich war. Die meisten Kompositionen stammten von Braun, darunter auch ein Charles Mingus gewidmeter Titel "Gus Ming", doch trug es wenig von dessen kreativer Impulsivität. Braun zeigte sich als Gitarrist und Bandleader deutlich von Pat Metheny beeinflusst, musizierte handwerklich tadellos, pflegte aber einen solch weichen und dezenten Sound, dass er sich stets hart an der Grenze zur Gefälligkeit bewegte, und das gilt im Jazz nicht als Kompliment. Seine Band swingte, jedoch so schaumgebremst, als hätte sie ihr jugendliches Temperament in den Instrumentenkoffern steckenlassen. Nur jeweils zum Ende der Sets wurde Adrenalin spürbar. Jonas Röser am Alt-Saxofon blies herrliche Notenfolgen mit warmem Ton, ließ sich aber nicht zu emotionalen Highlights hinreißen, Caspar van Meel würzte seine Basslinien mit Dissonanzen, ließ sie aber oft unpointiert durchlaufen und deutete nur gelegentlich an, dass erheblich mehr in ihm steckt, als er in dieser Besetzung zeigen kann. Dominic Brosowski fügte sich mit subtilem Besenspiel harmonisch ein, flammte aber auch perkussiv auf und machte in Al Jarreaus "Mornin?" aus seinen mit Klöppeln gespielten Trommeln ein Melodieinstrument. So erfreute sich das Publikum eines loungigen Abends und entließ die Band erst nach der Zugabe.

MOJO MENDIOLA, Rheinische Post Krefeld, 11.05.2011