Stolpersteine in Krefeld – Rundgang mit Frau Dr. Ingrid Schupetta

Dr. Ingrid Schupetta bei ihren Erläuterungen zu den Stolpersteinen
Dr. Ingrid Schupetta bei ihren Erläuterungen zu den Stolpersteinen
Das Mahnmal auf dem Platz an der Alten Synagoge
Das Mahnmal am Platz der Alten Synagoge

Mehr als 700 Krefelder Juden wurden in der Zeit des Nationalsozialismus umgebracht. Das Mahnmal an der Petersstraße, errichtet 1973, soll an sie erinnern und an ihre Leidensgenossen: Sechs Stelen für sechs Millionen ermordeter Juden.

An diesem Mahnmal trafen sich am 4. August Gäste des SPD-Sommer-Ferien-Programms zu einem Rundgang mit Frau Dr. Ingrid Schupetta, der engagierten Leiterin des Krefelder NS-Dokumentationszentrums, zu den in der Innenstadt verlegten Stolpersteinen.

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das individuelle Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehwegs eingelassen.

In Krefeld lehnte der Stadtrat eine Verlegung auf Wunsch der jüdischen Gemeinde zunächst ab, erst nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren wurde ein Kompromiss gefunden: Wenn die jeweiligen Hauseigentümer sowie die Angehörigen der Opfer zustimmen, können die Stolpersteine verlegt werden. In Krefeld sind bisher 43 Steine verlegt worden, im Dezember 2011 sollen weitere 15 hinzukommen

Dr. Ingrid Schupetta führte die Teilnehmer zu mehreren Stolpersteinen in der Innenstadt. Tief beeindruckt lauschten sie ihrer ergreifenden Schilderung zu den Schicksalen der einzelnen Opfer.

Ratsfrau Anke Drießen-Seeger, welche die Gruppe im Namen der SPD Krefeld-Mitte begrüßte, gibt hier exemplarisch zwei der von Frau Dr. Schupetta erzählten Geschichten wieder:

Zum Stein für Klara Heymann auf der Angerhausenstraße: Ab 1750 durften für einige Zeit nur noch Männer, die Metzger oder Glaser waren, mit ihren Familien nach Deutschland einreisen. Dadurch kamen viele jüdische Metzger ins Land. In Krefeld wurde dann auch die Fleischerinnung im 19. Jahrhundert durch Juden gegründet. Klara Heymann kam aus einer jüdischen Metzgerfamilie und heiratet zunächst einen Nicht-Juden, der im ersten Weltkrieg fiel. Er ließ sie mit einer Tochter zurück. Als Kriegerwitwe und Mutter einer "halbjüdischen" Tochter genoss sie zunächst einen gewissen Schutz. In zweiter Ehe war Klara Heymann mit einem Juden verheiratet und bekam weitere Kinder. Als ihr Sohn die Stadtgrenzen Krefelds unerlaubt verließ, wurde er sofort gefasst, was zur Deportation von Mutter und Sohn führte. Die Mutter starb in Auschwitz, der Sohn Werner Heymann überlebte das Konzentrationslager und schrieb später ein Buch über seine Erinnerungen.

Am Stein von Dr. Hirschfelder ging Frau Dr. Schupetta auf die Vornamen ein. Alle jüdischen Männer mussten, weil es die Nationalsozialisten so wollten, den Namen "Israel", alle Frauen den Namen "Sarah" als zweiten Vornamen führen. Nur solche Juden, die bereits typisch jüdische Namen trugen, waren davon ausgenommen. "Isidor" galt damals nicht nur als typisch jüdisch, sondern auch als ausgesprochene Beleidigung. Das veranlasste den bekannten und allseits beliebten Kinderarzt Dr. Isidor Hirschfelder, seinen Vornamen abzulegen und sich fortan "Kurt" zu nennen. Dieser Wunsch nach Änderung des Namens ist bis heute noch nicht überall angekommen: Der nach ihm benannte Platz in der Krefelder Innenstadt heißt zwar neutral "Dr.-Hirschfelder-Platz", das Schullandheim in Herongen, welches fast alle Krefelder Grundschulkinder kennen gelernt haben, heißt jedoch nach wie vor „Dr. Isidor Hirschfelder Schullandheim“.