SPD Krefeld beginnt Debatte über Inklusion

"Glückwunsch zu dieser Initiative!" äußerte sich begeistert der Vorsitzende der Lebenshilfe Krefeld e.V., Dr. Thomas Delschen, zum Thema des SPD-Parteitags am 17. September. Der offene Parteitag setzte sich mit dem Thema Inklusion auseinander, und zahlreiche Gäste, vor allem auch Vertreter von Schulen, waren der Einladung gefolgt.

Der vom SPD-Vorstand erarbeitete Leitantrag "Es ist normal, verschieden zu sein – Wir wollen die inklusive Stadt! Inklusion – Brücke zur Teilhabe" diente als Diskussionsgrundlage; fünf Expertinnen und Experten beleuchteten einige der zahlreichen Aspekte dieser Thematik.

Das 2006 beschlossene UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde auch in Deutschland ratifiziert und garantiert die gleichberechtigte umfassende Teilhabe aller Menschen, mit und ohne Behinderung, am gesellschaftlichen Leben. Das Übereinkommen hat Gesetzes-Charakter, deshalb heißt es auch im Antrag der SPD Krefeld: "Es geht gar nicht mehr darum, ob man eine inklusive Gesellschaft haben möchte oder nicht, es geht darum, wie wir diese gestalten."

Norbert Killewald, Landesbehindertenbeauftragter NRW, umriss die Vorgehensweise der Landesregierung, die vor allem die Aktionsfelder "Bauliche Barrierefreiheit" und "Schule" umfasst. Er erläuterte, dass in Krefeld von ca. 1390 Kindern und Jugendlichen mit jetzt festgestelltem Förderbedarf nur ein Fünftel eine Regelschule besucht – alle aber haben nun einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer "normalen" Regelschule! Was dies für die Stadt Krefeld und für die einzelnen Schulen bedeutet, lässt sich vor allem hinsichtlich der Finanzierung noch nicht genau beziffern.

Der Schwerpunkt der SPD-Diskussion lag auf dem Thema Inklusion in der Bildung, in der Schule, sicherlich auch, weil dort die größten Veränderungen zu leisten sein werden.
Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverband Rheinland, benannte als Zielsetzung: "Nicht das Kind muss in die Schule passen, sondern die Schule muss für das Kind passen!" Derzeit ist der Landschaftsverband Rheinland Träger der spezifischen Förderschulen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

Wird es diese Schulen zukünftig noch geben, wenn alle Schulen inklusiv arbeiten? Was müssen Lehrerinnen und Lehrer leisten, wenn sie Kinder mit Behinderung, die ganz verschieden sind, zugleich unterrichten sollen mit zum Beispiel Hochbegabten, die anderes brauchen? Gisela Lücke-Deckert, Schulamtsdirektorin Kreis Wesel, beschrieb in ihrem Beitrag, wie der Prozess Inklusion in Schulen im Nachbarkreis in Gang gekommen ist. Auf allen Ebenen gelte: Betroffene zu Beteiligten machen, die Eltern ebenso wie die Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder mit und ohne Behinderung, die Fachkräfte in Beratungsstellen, die Ärzte bis hin zu den Arbeitgebern, die Jugendliche und junge Erwachsene ausbilden und beschäftigen. Besonders wichtig ist Lücke-Deckert auch die Ausbildung, die Lehrerinnen und Lehrer in die Lage versetzen muss, Kinder mit und ohne Behinderung zugleich unterrichten zu können. "Sonderpädagogik darf es nicht mehr nur für Sonderpädagogen geben!"

In den Kommunen finde schon jede Menge in Richtung Inklusion statt, meinte Klaus Hebborn, Bildungsdezernent beim Deutschen Städtetag, und forderte, die Ausnahme müsse die Regel werden – das sei Inklusion. Dass dies ein langer Weg sei, sei klar, der Systemwechsel von Förder- neben Regelschulen könne nicht in ein, zwei Jahren vollzogen werden. Hebborn betonte, dass alle Eltern und ihre Kinder Anspruch auf gute Ausstattung ihrer Schule haben, die Förder- wie die Regelschulen. Ausschlaggebend werde der Mentalitätswechsel sein, der Inklusion ermögliche. Hebborn appellierte an die SPD Krefeld: "Inklusion muss ein Thema für uns alle werden!"

Alle Referentinnen und Referenten waren sich in einem einig: Berechtigte Fragen müssen beantwortet werden, verständliche Ängste vor der zukünftigen Entwicklung gilt es abzubauen, bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und anderem Fachpersonal. Wesentlich wird für den Prozess der Inklusion die Bewusstseinsveränderung sein, die alle Beteiligten vollziehen müssen.

Dr. Thomas Delschen von der Lebenshilfe betonte dies auch nochmals ausdrücklich: Inklusion betrifft nicht nur Schule, sondern alle Lebensbereiche. Ziel müsse sein, dass die Lebenshilfe nicht mehr Aktivitäten für Menschen mit Behinderung organisiere, sondern dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich zum Beispiel Mitglied in Vereinen sind, gemeinsam mit Nichtbehinderten. Delschen wünscht sich einen "Masterplan Inklusion" für Krefeld und richtete auch an die zahlreich vertretenen SPD-Parlamentarier – mit Uli Hahnen als SPD-Fraktionsvorsitzendem und Landtagsabgeordnetem für Krefeld, Bernd Scheelen und Siegmund Ehrmann als Bundestagsabgeordnete und Petra Kammerevert aus dem Europäischen Parlament waren alle parlamentarischen Ebenen vertreten – den dringenden Appell, eine Kampagne für das Thema Inklusion zu beginnen und zu unterstützen.

Petra Freining, in der SPD Krefeld als Behindertenbeauftragte und zugleich in der Lebenshilfe aktiv, unterstützt den Beschluss des Parteitages erfreut und meint: "Wenn es meine Funktion irgendwann einmal nicht mehr geben muss, haben wir unser Ziel erreicht!"