Rundgang durch die Innenstadt mit dem neuen Planungsdezernenten Martin Linne

Hier freut sich Kristof Klitza (links) über die Lösung des Taxi-Problems
Hier freut sich Kristof Klitza (links) über die Lösung des Taxi-Problems, ganz rechts Dieter Backerra
v.l. Dieter Backerra, Helmut Boeck, Wilfried Daniels, Jürgen Illbruck, Joachim Konow, Peter Kaiser, Mitarbeiterin und Mitarbeiter des SpíeDie, Martin Linne, Waldo Karpenkiel, Joachim Blömer
v.l. Dieter Backerra, Helmut Boeck, Wilfried Daniels, Jürgen Illbruck, Joachim Konow, Peter Kaiser, Mitarbeiterin und Mitarbeiter des SpíeDie, Martin Linne, Waldo Karpenkiel, Joachim Blömer

Krefelds neuer Planungsdezernent Martin Linne hat sich vorgenommen, nach und nach die einzelnen Stadtbezirke gemeinsam mit den jeweils zuständigen Bezirksvertretungen zu erkunden. "Weder Pläne noch ausführliche Berichte können den persönlich gewonnenen Eindruck ersetzen, und weder im Auto noch auf dem Fahrrad ist man näher dran an den Problemen als zu Fuß", begründet der Beigeordnete sein Vorhaben.

Und so macht sich Anfang März eine kleine Gruppe auf den Weg, bestehend aus drei Vertretern der Ver-waltung sowie den Sprechern der Fraktionen in der Bezirksvertretung Mitte. Für die SPD sind Gerda Schnell und Dieter Backerra mit von der Partie. Vom Luisenplatz aus spaziert man in Richtung Osten, vorbei am Schinkenplatz, wo die Politiker erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen, dass die maroden und immer wieder missbrauchten Bänke trotz eines Beschlusses der Bezirksvertretung noch immer nicht abgebaut worden sind.

Einen längeren Stopp legt man am Platz an der Seidenstraße ein. Einst gab es hier einen kleinen Spielplatz, und deshalb war die Straßenkreuzung vor Jahren auch für den Durchgangsverkehr gesperrt worden. Diese Sperrung ist nun seit längerem wieder aufgehoben und der Spielplatz ist nur noch ein leider ziemlich verdrecktes, eingezäuntes Stück Rasen. Der Planungsdezernent sieht keinen Anlass, die Öffnung wieder rückgängig zu machen, da der Durchgangsverkehr sich durchaus in Grenzen hält. Aber man kann ihm ansehen, wie nah ihm der desolate Zustand des ehemaligen Kinderspielplatzes und der umgebenden Häuser geht.

Beim nächsten Ziel kommt mehr Freude auf. Das "SpieDie", der vom Werkhaus e.V. betreute Spielplatz an der Dießemer Straße, präsentiert sich sauber und aufgeräumt, wenngleich an allen Ecken und Kanten und vor allem an den Spiel-geräten deutlich zu erkennen ist, dass er von vielen Kindern und durchgehend genutzt wird.

Gerda Schnell erinnert an die Diskussion in der Bezirksvertretung sowie die anschließende einvernehmliche Beschlussfassung zur Frage der Personalaus-stattung dieser Einrichtung. Die Bezirksvertretung habe entscheidend dazu beigetragen, dass wenigstens eine halbe zusätzliche Stelle für das SpieDie bewilligt worden sei. Helmut Boeck, der Leiter der Einrichtung, stellt diese neue Mitarbeiterin vor und zeigt sich sichtlich erfreut über den Besuch der Politiker. Man postiert sich für ein Foto vor dem bunten Rolltor zur Turnhalle, welches im Winter mit Brettern geschützt ist, die von den Kindern liebevoll bemalt worden sind. Der bekannte Schlagzeuger Waldo Karpenkiel muss selbstverständlich mit auf’s Bild.

Auf dem Rückweg Richtung Ostwall kommt die Gruppe am gerade erst in vorbildlicher Weise sanierten Kinderspielplatz an der Schwertstraße vorbei. Martin Linne ist offensichtlich beeindruckt von diesem Ruhe ausstrahlenden Platz und den schönen Fassaden aus der Gründerzeit, "so nah am quirligen Ostwall".

Über die Petersstraße, am Spielplatz vor der Königsburg vorbei, geht es zunächst zum Dr.-Hirschfelder-Platz, worüber Wikipedia nichts anderes zu schreiben weiß als "Platz zum Abstellen von Blech in der Innenstadt".

Hier stellt Martin Linne die Frage, welcher Art die Umgestaltung sei, die man sich wünsche. Schon fängt das Dilemma an. Alle sind dafür, dass anstelle eines Parkplatzes eine Grünfläche mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen wird. Dass jedoch im Zuge der Erstellung der dann wahrscheinlich erforderlichen Tiefgarage zwangläufig die wunderbaren, gesunden, für das Klima der Innenstadt unersetz-lichen Bäume geopfert werden müssen, lässt den einen oder anderen schwer schlucken. Gerda Schnell z.B. kündigt wieder mal an, sich notfalls anketten zu wollen.

Vorbei am Anne-Frank-Platz und an der Galerie Fochem biegt die Gruppe in die Lindenstraße ein. Neben dem traumhaft schönen Café Kosmopolit fallen andere Fassaden, die sich in einem katastrophalen Zustand befinden, umso mehr ins Auge. Die Bezirksvertreter erhoffen sich vom neuen Planungsdezernenten Ideen, wie man dieser Misere wirksam begegnen kann.

Über den Südwall weiter in die Neusser Straße. Hier ein kurzes, trauriges Verweilen vor dem geschlossenen und dem Verfall preisgegebenen Stadtbad. Dann gibt es einen Abstecher in die denkmalgeschützte Brauerei Wienges. Die Wirtin Margot Wienges ist beglückt über den Besuch und stellt resolut fest, die Gruppe habe eine Pause mit einer Tasse heißer Nudelsuppe verdient.

Danach geht es weiter zum vor kurzem umgestalteten Platz an der Neusser Straße und dem einst nur mit Mühe geretteten Sinn-Haus. Dieter Backarra erinnert an die Hausbesetzung durch die Jusos, die seinerzeit den Abriss verhindert habe. Er sei selbst einer der Hausbesetzer gewesen.

Als letzte Station ist die Seniorenresidenz Hanseanum an der Reihe. Mit dem Leiter der Residenz, Kristof Klitza, sowie dem Sprecher des Aktivkreises Hanseanum, Hartmut Janßen, geht es zuerst auf das Dach bzw. die Grünanlage auf dem Dach des Hauses. Alle staunen über das Eldorado, welches sie hier so nicht erwartet haben. Mit Kaffee und Brötchen liebevoll umsorgt, haben die Gäste im Anschluss ein offenes Ohr für die Sorgen der beiden Herren. Kristof Klitza stellt seine Einrichtung und Hartmut Janßen die Geschichte des Hansa-Zentrums sowie die Tätigkeit des Aktivkreises Hanseanum vor.

Klitza beklagt, es sei den Bewohnern der Residenz aus verkehrstechnischen Gründen nicht möglich, unmittelbar am Haus in ein Taxi zu steigen. Das wollen sich die Gäste selbst anschauen und brechen zu einem Rundgang um das Gebäude auf. In weniger als fünf Minuten findet der Planungsexperte Martin Linne eine Lösung für das Problem. Er hat die Idee, die morschen Mäuerchen hinter dem Haus endlich abbrechen zu lassen und dort, unmittelbar an einem der vier Ausgänge der Residenz, zwei Taxi-Standplätze einzurichten. Niemand freut sich mehr über diesen Vorschlag als Kristof Klitza, hat er doch bereits seit vier Jahren versucht, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Beim Rundgang am 2. März 2012 anwesend:
Beigeordneter Martin Linne, Jürgen Illbruck und Joachim Blömer von der Verwaltung, Peter Kaiser (CDU), Joachim Konow (FDP), Wilfried Daniels (Grüne) sowie Gerda Schnell und Dieter Backerra (SPD). In der Residenz kam noch Werner Gottschalk (CDU) dazu.