Wer weckt das schlafende Dornröschen?

Der verbarrikadierte Haupteingang des Klärwerks
Der verbarrikadierte und beschmierte Haupteingang des Klärwerks
Die Einrichtung des Klärwerks rostet seit Jahrzehnten vor sich hin
Die technischen Vorrichtungen rosten seit Jahrzehnten vor sich hin

Wilfried Bovenkerk, Ratsherr und denkmalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, organisierte im Spätsommer eine geführte Besichtigung des alten Pump- und Klärwerks in Uerdingen. Monika Risse-Richter und Gerd Hanisch vom städtischen Denkmalamt vermittelten den Mitgliedern des von Bovenkerk geleiteten Arbeitskreises einen umfassenden Eindruck zur Enstehungsgeschichte und den technische Funktionen des 1910 als Jugendstil-Betonbau errichteten Denkmals.

Die einst wohlhabende Stadt Krefeld konnte sich als eine der ersten deutschen Städte ein Kanalnetz leisten. Der damalige Stadtbaumeister der Seidenstadt, Georg Bruggaier, der übrigens auch das schöne Stadtwaldhaus gebaut hat, errichtete das Bauwerk mit drei Gebäudeteilen. Es diente der mechanischen Klärung der Abwässer und war bis zum Jahre 1973 in Betrieb. Obgleich das Klärwerk einige Jahre später grundlegend saniert und in die Denkmalliste eingetragen worden ist, konnte bislang bis auf kurzfristige Ausnahmen keine neue Nutzung für die gestalterisch herausragenden Bauten gefunden werden.

Die geschwungenen Dächer mit Schiefer-Eindeckung, die zahlreichen Fenster und Schmuckelemente verleihen den Gebäuden von außen eine anmutige Optik. Betritt man das Innere des eigentlichen Klärwerks, ist man überwältigt von der Größe, ja geradezu Erhabenheit des Raumes. Sogleich drängen sich die phantastischsten Vorstellungen zu einer möglichen künftigen Nutzung auf. Den beiden Ratskolleginnen Bovenkerks, Anke Drießen-Seeger und Gerda Schnell, fiel fast zwangläufig ein, hier könne ein wunderbarer Konzertraum mit toller Akustik entstehen. Sie wurden jedoch von den Vertretern der Stadtverwaltung sofort auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Denkmalschützer verwiesen darauf, dass sich in unmittelbarer Nähe des Klärwerks eine vielbefahrene Bahnlinie befindet.

Boris Joswig vom Zentralen Gebäudemanagement und seine Kollegin Anke Illbruck versuchen nach eigenen Angaben seit Jahren, das aufgrund seiner isolierten Lage vandalismusanfällige Anwesen an den Mann oder vielmehr an einen finanzstarken Investor zu bringen. Dieser muss ohne Zweifel viel Idealismus mitbringen, denn seit der Sanierung 1981 hat man hier nichts für den Erhalt getan, es sind lediglich Sicherungsmaßnahmen vorgenommen worden. So wirken die Gebäude doch ziemlich heruntergekommen und es bedarf einiger Phantasie, an das nach wie vor darin steckende Potential zu glauben.

Die SPD-Vertreter, allen voran Wilfried Bovenkerk, hoffen nun gemeinsam mit der Verwaltung auf den Märchenprinzen, der dieses schlafende Dornröschen wachküsst und ihm zu neuem Glanz verhilft.