Ist „Et Bröckske“ noch zu retten?

v.l. Wolfgang Günther, Anke Drießen-Seeger, Wilfried Bovenkerk, Karin Späth. Foto: Gerda Schnell
Neben Fotografin Gerda Schnell von der SPD dabei (v.l.) Wolfgang Günther, Anke Drießen-Seeger, Wilfried Bovenkerk und Karin Späth
So kennt man den Gastraum der Traditionsgaststätte "Et Bröckske"
So kennt man den Gastraum der Traditionsgaststätte "Et Bröckske"

Das "Et Bröckske" ist ein Denkmal! Überrascht und teilweise auch erfreut nahmen die Mitglieder des Denkmalausschusses in ihrer Sitzung am 24. Oktober 2012 zur Kenntnis, dass das LVR-Amt für Denkmalpflege die einst so beliebte Krefelder Traditionsgaststätte "Et Bröckske" für ein bedeutendes Baudenkmal hält. Bereits im Jahre 2008 hatte das Amt festgestellt: "An seiner Erhaltung und angemessenen Nutzung besteht aus wissenschaftlichen, insbesondere architektur- und ortsgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse". Da der Eigentümer des Gebäudes mittlerweile einen Abbruchantrag gestellt hat, musste die untere Denkmalbehörde jetzt reagieren und das Eintragungsverfahren einleiten. Also kam das Thema auf die Tagesordnung des Denkmalausschusses und löste naturgemäß ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen waren dafür, die anderen dagegen, und wie so häufig machte auch jetzt wieder Wilfried Bovenkerk, Ratsherr und Sprecher der SPD-Fraktion im Denkmalausschuss, einen pragmatischen Vorschlag: Vor einer Beschlussfassung möge man sich das Gebäude doch erst einmal ansehen.

Gesagt, getan, am 21. November war es dann soweit. Vertreter der Eigentümer ermöglichten den Mitgliedern des Denkmalausschusses, des Bauausschusses und der Bezirksvertretung Krefeld-Mitte sowie Veit Berroth und Gerhard Hanisch von der unteren Denkmalbehörde den Zugang zum seit drei Jahren geschlossenen Gebäude. Wer keine Taschenlampe dabei hatte, bekam Schwierigkeiten, denn inzwischen haben Diebe dafür gesorgt, dass kein Licht mehr angeschaltet werden kann.

Die Besuchergruppe mussten Gruseliges sehen. Ganz offensichtlich hatten die Eigentümer schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, überhaupt nichts mehr in die Bausubstanz investiert. Tauben haben sich im Dachgeschoss eingenistet und ihre überdeutlichen Spuren hinterlassen. Im Keller war es zu dunkel, als dass man Hinterlassenschaften von Ratten hätte erkennen können, aber gerechnet hat wohl jeder damit.

Dennoch fanden insbesondere die Vertreter der SPD, die Ratsmitglieder Wilfried Bovenkerk, Anke Drießen-Seeger und Gerda Schnell sowie Karin Späth und Wolfgang Günther, dass aus dem Haus durchaus noch was zu machen sei. Unterstützung bekamen sie von der unteren Denkmalbehörde, die bereits genügend Gebäude gesehen hat, die sich in einem viel schlimmeren Zustand befunden hatten und trotzdem hervorragend saniert werden konnten.

Wir sind nun gespannt, wie sich der Denkmalausschuss am 12. Dezember 2012 entscheidet.

Die Rheinische Post Krefeld veröffentlichte am 22. November 2012 folgenden Artikel:

Ortstermin im verfallenden „Bröckske“

Vertreter von Politik und Verwaltung nahmen gestern das Gebäude der ehemaligen Traditionsgaststätte in Augenschein. Die ersten Einschätzungen über die Bausubstanz des Hauses, in das lange Jahre nichts investiert wurde, sind konträr.

VON JOCHEN LENZEN

Mehr als ein Dutzend Vertreter des Bau- und des Denkmalausschusses, beratende Architekten, Mitglieder der Bezirksvertretung Mitte und Vertreter der Unteren Denkmalbehörde haben gestern mit den Eigentümern das unter vorläufigem Denkmalschutz stehende Gebäude „Et Bröckske“ besichtigt. „Dabei ist ganz deutlich geworden, dass in dem Haus jahrzehntelang nichts investiert wurde“, sagte Gerda Schnell (SPD), Vorsitzende des Denkmalausschusses, auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwar blättere der Putz von Wänden und Decken und im Saal welle sich der Holzboden, doch halte sie die Gebäudesubstanz selbst für „nicht schlecht“.

Auch Veith Berroth von der städtischen Denkmalbehörde habe gemeint, aus dem Haus könne man noch etwas machen, so Gerda Schnell, die das Haus, an das viele Krefelder gute Erinnerungen hätten, als stadtbildprägend einstuft. Ihrer Ansicht nach müsste das Haus in der guten Lage – teils als Gaststätte, teils mit Wohnbebauung – erfolgreich zu führen sein. „Aber ganz gleich wie wir entscheiden: Das Gebäude ist ja bereits von der Obereren Fachbehörde als Denkmal eingestuft worden. Daran wird sich nichts ändern.“ Die Eigentümer wollen das Gebäude bekanntlich verkaufen, damit es zugunsten eines Neubaus abgerissen werden kann. „Man darf aber nicht so viel verlangen, dass einem Investor die Luft ausgeht. 1,5 Millionen, die die Eigentümer angeblich haben wollen oder wollten, sind ein Irrsinn.“

Er täte sich sehr schwer, jemandem zu empfehlen, auch nur einen Cent in das Gebäude zu investieren“, sagte Manfred Läckes (CDU), der seit 25 Jahren in der Baubranche tätig ist. „Ich habe bei der Besichtigung mit Architekten gesprochen, die fragten, was denn hier denkmalwürdig sei. Tatsächlich ist der Keller vollkommen durchnässt, der Boden des Saals wellt sich bis zu 30 Zentimeter hoch, und in der feuchten Pächterwohnung haben die Tauben alles verkotet. Meiner Ansicht nach ist das Haus nicht zu erhalten. Ich bin aber der Meinung, dass der Denkmalausschuss nicht von den Eigentümern benutzt werden darf, um deren private Belange durchzusetzen.“

Eine Entscheidung gegen den Denkmalschutz kann nach Einschätzung Läckes‘ nur noch mit einem Gang vors Gericht geklärt werden.

Und Jochen Lenzen fügt folgenden Kommentar hinzu:

Spätes Interesse am Traditionshaus

Es ist löblich, dass sich Politik und Verwaltung das Gebäude der ehemaligen Traditionsgaststätte „Et Bröckske“ jetzt einmal – auch von innen – angesehen haben. Bei der Besichtigung konnten sie nun mit eigenen Augen sehen, was man bereits vor viereinhalb Jahren sehen konnte: durchfeuchtetes Mauerwerk, kaschierte Rohrbrüche, quadratmeterweise herabgefallener Putz, völlig durchnässte Keller, in denen das Wasser nicht nur die Wände hinabläuft, sondern auch von der Decke tropft.

Es ist eine Schande, wie dieses Haus schon in den Jahren vernachlässigt worden ist, als die Gastronomie noch in Betrieb war. Jetzt, fast vier Jahre nach Aufgabe der Gaststätte, dürfte es – wenn überhaupt – nur noch mit unverhältnismäßig hohem Millionenaufwand zu retten sein. Dieses Dilemma hätte vermieden werden können, wenn das öffentliche Interesse am Erhalt des „Bröckske“ früher eingesetzt hätte.