Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Trägerin des närrischen Steckenpferds 2012, hielt umjubelte Laudatio auf den neuen Steckenpferdritter Wolfgang Bosbach

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit närrischem Steckenpferd (2012). Foto: Gerda Schnell
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit närrischem Steckenpferd (2012)

Dr. Jens Voß, Chefredakteur der Rheinischen Post Krefeld, schrieb über die Veranstaltung "Verleihung des närrischen Steckenpferds" am 2. Februar 2013:

"Dass es ein besonderer Abend werden würde, war schon am warmen Applaus zu spüren, als der Name des 24. Krefelder Steckenpferd-Ritters zum ersten Mal im voll besetzten Seidenweberhaus genannt wurde: Die Leute mögen Wolfgang Bosbach. Der Abend versprach auch deshalb interessant zu werden, weil eine Rote – SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Steckenpferdritterin 2012 – einen Schwarzen, eben den CDU-Politiker Bosbach, zu loben hatte. Karneval hin oder her – dass so etwas glückt, ist keineswegs ausgemacht. An diesem Abend glückte es rundum, so sehr, dass in der Pause schließlich zwei Rote – die SPD-Politiker Ulrich Hahnen (MdL) und Bernd Scheelen (MdB) – sinnieren sollten: So gut wie Bosbach sei noch keiner gewesen.

Hannelore Kraft zog sich in ihrer Laudatio auf Bosbach achtbar aus der Affäre; sie lieferte keine Schenkelklopfer-Rede, machte sich anfangs ein bisschen über Bosbachs Allgegenwart in Talkshows lustig, fand dann aber sehr warme, und zwar ernsthaft warme Worte für Bosbach: attestierte ihm Courage, Unerschrockenheit, „gewaltiges Stehvermögen“, beschrieb ihn als das Gegenteil von Leuten, die „schwach beginnen und dann stark nachlassen“, sagte, dass die Politik mit mehr Leuten wie ihm besser angesehen wäre, und schloss mit den Worten: „Ich freue mich, einer Runde anzugehören, in die Sie heute aufgenommen werden.“ Damit traf Kraft den richtigen Ton und die Stimmung im Saal; das klang nicht nach Floskel, sondern nach viel Hochachtung für einen Mann, der tapfer eine schwere Krebserkrankung trägt und sich in der Politik auch gegen die eigene Partei gestellt hat – was ihm bekanntlich den Wutausbruch von Kanzleramtsministers Pofalla mit dem schäbigen „Fresse“-Zitat einbrachte. Die Leute dankten es Frau Kraft mit herzlichem Applaus, und Prinzengarde-Präsident Rainer Küsters sprach vielen aus dem Herzen, als er die Laudatio überschwänglich lobte.

Bosbach schließlich wechselte die Tonlage zu Ironie, auch Selbstironie: Er habe ja gezweifelt, ob er die Ehre der Steckenpferdverleihung verdiene, aber „nach dieser Laudatio bin ich selber davon überzeugt“, sagte er und hatte fortan Saal im Griff, „so schöne Worte“, ergänzte er später, „habe ich in meiner eigenen Partei schon jahrelang nicht mehr gehört“. Die Leute jubelten. So ging es Schlag auf Schlag. Frau Kraft habe in Namibia geheiratet, er im Bergischen, sagte Bosbach: „Groß ist der Unterschied nicht: landschaftlich reizvoll und jede Menge nette Schwarze“. Zum Unterschied zwischen der Uckermärkerin Merkel und dem Rheinländer Bosbach sagte er an die Adresse der Kanzlerin: „Zu Ihrem 50. Geburtstag kam ein Hirnforscher, zu meinem die Höhner.“ Um den Rheinländer als solchen zu erklären, sagte Bosbach: Nicht-Rheinländer würden morgens fragen: „Was mache ich heute?“; „der Rheinländer fragt: Was mache ich heute Abend?“ Bosbach, der frei sprach, würdigte die „schöne Arbeitsteilung“ in NRW: „Die Westfalen müssen halten, was die Rheinländer versprechen“, und er lobte, dass gleich vier Bundestagskollegen (Ansgar Heveling, Bernd Scheelen, Siegmund Ehrmann und Otto Fricke) anwesend waren: „Das ist für eine Karnevalssitzung ganz ordentlich, für eine Plenarsitzung wäre es überragend.“ Zum Schluss erzählte er eine Anekdote über eine abenteuerliche Reise von Münster nach Berlin zu einer Talkshow („ich bin eigentlich medienscheu, aber mir gelingt es immer wieder, diese Scheu zu überwinden“) mit Maybrit Illner und erwies sich als glänzender Erzähler – der Saal tobte vor Vergnügen.

Bosbach ist so etwas wie eine hochkultivierte Rampensau: Jede Pointe, jede Betonung, jede Atempause sitzt – und kein Witz kommt auch nur annähernd in die Nähe einer Zote oder verletzender Schärfe. Ein großartiger Abend."