Erst kommt der Jazz, dann die SPD, dann ganz lange nichts…….

Ute Heier (li., Gründungsmitglied des Jazzklubs) und Martina Heffels, Vorsitzende des Jazzklubs, überreichen Günter "Fongi" Holthoff Blumen und Ehrenurkunde. Foto: Gerda Schnell
Ute Heier (li., Gründungsmitglied des Jazzklubs) und Martina Heffels, Vorsitzende des Jazzklubs, überreichen Günter "Fongi" Holthoff Blumen und Ehrenurkunde

Westdeutsche Zeitung Krefeld (11.03.13)

Günter Holthoff: Krefelds Jazzfan Nummer eins
Von Klaus M. Schmidt
Seine Bescheidenheit ist legendär, doch am Sonntag half sie ihm nichts: „Fongi“ Holthoff ist erster Ehrenvorsitzender des Jazzklubs.

Vorsitzender wollte er nie werden. Die Fäden aus der Hand geben mag er aber auch nicht. Günter Holthoff gehört zu den zehn Gründungsmitgliedern des Jazzklubs Krefeld, der seit 1979 das hiesige Konzertleben auf höchstem Niveau mit Jazz bestückt.

Dass er aufhört, zu Konzerten zu gehen, darf bezweifelt werden

Holthoff war stets die graue Eminenz, während die Vorsitzenden kamen und gingen. Jetzt hat er sein letztes Amt, das eines stellvertretenden Kassenwarts, niedergelegt. Sein Verein hat ihn gestern doch noch zum Vorsitzenden gemacht, nämlich zum ersten Ehrenvorsitzenden.

Stückweise hat Holthoff schon in den letzten Jahren Verantwortung abgegeben, etwa an Andreas Lessenich, der seit geraumer Zeit die Bands bucht. Auch Martina Heffels konnte als Vorsitzende mehr in dieser Funktion bewegen als viele ihrer Vorgänger. Dass Holthoff, der dieses Jahr 77 Jahre alt wird, jetzt auch noch aufhört, zu den Konzerten zu gehen, muss jedoch stark bezweifelt werden.

1963 ist Krefelds Jazzfan Nummer eins in die Seidenstadt gezogen, die er aber vorher schon fleißig besucht hat. Mit einem Freund fuhr er regelmäßig mit einem Tandem von Rheinhausen aus zum hiesigen Jazzkeller. Aus jener Zeit stammt auch der Spitzname „Fongi“. Freunde hatten den Namen einer Jazzzeitschrift auf ihn übertragen. „Hallo, ich bin Fongi“, das ist der Satz, mit dem sich Holthoff heute noch gerne vorstellt.

Von Mitte der 60er Jahre an half Holthoff, der selbst kein Instrument spielt, den diversen Jazzkeller-Wirten bei der Programmgestaltung und bewies immer eine gute Nase für Trends. Seit der Gründung des Jazzklubs Krefeld war Holthoff prägend für die Programmpolitik.

Eigentlich ist er ein Mann der Zahlen. Erst hat er in Duisburg als Finanzbeamter gearbeitet, dann war er ab 1980 in Krefeld Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Vorher hatte er auch schon im Krefelder Stadtrat gesessen und war finanzpolitischer Sprecher der SPD. Für Willi Wahl leitete er von 1989 bis 1992 das Oberbürgermeisterbüro, bis zu seiner Pensionierung 1997 war er Leiter des Rechnungsprüfungsamtes.

Musikalische Kompetenz und unerschütterliches Engagement

Holthoff war nie ein Mann, der sich in den Vordergrund spielt, seine Bescheidenheit ist sprichwörtlich. Seine jahrzehntelange Dominanz im Jazzklub verdankt sich seiner Kompetenz in Sachen Jazz, die er sich ausschließlich als Hörer erworben hat, und seinem durch nichts zu erschütternden Engagement.

Mit seiner Ehefrau, der SPD-Ratsfrau Gerda Schnell, besucht Holthoff neben Jazzkonzerten auch viele andere Kulturveranstaltungen. Dass er seine Zeit als Ehrenvorsitzender des Jazzklubs noch lange genießen kann, ist ihm von Herzen zu wünschen.

Und Mojo Mendiolas Bericht wurde in der Rheinischen Post Krefeld am 12.03.2013 veröffentlicht:

50 Jahre für den Jazzkeller: Ehrung für Holthoff

Der Verein wählte seinen Vorstand: Martina Heffels bleibt Vorsitzende, Günter Holthoff ist Ehrenvorsitzender.

(MoMe) Eigentlich kommt Günter Holthoff ja aus Duisburg-Rheinhausen. Da wurde er 1936 geboren. 1963 aber wurde ihm der Weg zum Jazzkeller in der Krefelder Lohstraße zu lang, und er zog kurzerhand in die Seidenstadt. Für sein 50-jähriges Engagement für den Keller wurde er jetzt zum Ehrenpräsidenten des Jazzklubs ernannt.

In dem seit 1958 bestehenden Musentempel des Jazz gab es bis dahin nur traditionellen, keinen modernen Jazz. Das änderte sich mit dem quirligen Holthoff, der seit damals den Spitznamen „Fongi“ trägt – nach einer Zeitschrift, die sich „Fongi – Der wilde Jazzgeist“ nannte. Seitdem sind es immer wieder seine Ideen gewesen, die das hiesige Jazz-Geschehen befruchtet und befeuert haben. Er brachte den modernen und experimentellen Jazz auf die Kellerbühne, half dem Verein Jazzklub aus der Taufe, war einer der Köpfe, die das jährliche Festival „Jazz an einem Sommerabend“ konzipierten und ins Leben riefen, und schob manche andere Aktion mit an, die in der Summe dazu führten, dass der Jazzkeller Krefeld heute die zweitälteste durchgängig betriebene Jazz-Spielstätte Deutschlands ist, als Nukleus die Entwicklung der Jazz-Szene im ganzen niederrheinischen Raum förderte, unter Jazzern europaweit und bis nach New York einen prima Ruf genießt und sich auf einen 300 Mitglieder starken Jazzklub stützen kann.

Nachdem das Lokal schon 2008 sein 50. Jubiläum mit einem Buch über sich selbst feierte, begeht in diesem Jahr Günter Holthoff selbst sein ganz persönliches 50-jähriges Jazzkeller-Jubiläum, und er hat es gut vorbereitet. In den letzten Jahren gab es innerhalb des Jazzklubs einen fließenden Übergang von Aufgaben und Kompetenzen in jüngere Hände. So wurde Andreas Lessenich Programm-Chef, und wenn man das Verhältnis von Tops und Flops in seiner bisherigen Künstler-Auswahl betrachtet, kann man dem Verein zu dieser Wahl nur gratulieren. Am Sonntag wurde auch der übrige Vorstand wieder einmal neu gewählt. Erste Vorsitzende wurde erneut Martina Heffels. Ursula Hellermann und Andreas Lessenich bleiben ihre Stellvertreter, weitere Aufgaben übernehmen Christoph Kuntze sowie die neuen Vorstandsmitglieder Cornelia Lux und Susanne Kaepernick. Günter „Fongi“ Holthoff ernannte man auf einstimmigen Beschluss in seinem 77. Erdenjahr feierlich zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit – in der Gewissheit, dass er dem Jazz, dem Jazzklub und dem Jazzkeller auch weiterhin als wacher Geist zur Seite stehen wird.