Solidarität mit den Beschäftigten der Firma Voith und Kampf um die Arbeitsplätze

v.l. Uli Hahnen MdL, Minister Guntram Schneider, Frank Meyer, Ina Spanier-Oppermann MdL
v.l. Uli Hahnen MdL, Minister Guntram Schneider, Frank Meyer, Ina Spanier-Oppermann MdL
Minister Guntram Schneider spricht zur Voith-Belegschaft

Eine Wahlkampfveranstaltung sollte es auf keinen Fall werden, deshalb suchte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider die von massiven Entlassungen bedrohte Voith-Paper-Belegschaft erst am Tag nach der Bundestagswahl auf. Er kam in Begleitung seiner beiden Landtagskollegen Uli Hahnen und Ina Spanier-Oppermann, und natürlich war auch der Krefelder SPD-Vorsitzende und Bürgermeister Frank Meyer dabei.

Beide Krefelder Zeitungen brachten am 24. September Berichte über diesen Besuch aus traurigem Anlass. Die Texte drucken wir hier ab.

Rheinische Post Krefeld, 24.09.13:
Stellenerhalt: Voith-Belegschaft hofft
Arbeitsminister Guntram Schneider bot gestern seine Dienste als Mediator an.

(sti) Die Belegschaft von Voith Paper in Krefeld hat gestern vor dem Werk gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert. Die Geschäftsführung in Heidenheim hatte entschieden, die Produktion zu schließen und die 421 Stellen um 213 zu reduzieren (wir berichteten). Für den Betriebsrat um Hans-Jürgen Tombeil und Uwe Badzion ist das letzte Wort in der Angelegenheit noch nicht gesprochen. Aufwind bekamen die Arbeitnehmervertreter gestern durch die Zusicherung des nordrhein-westfälischen Arbeitsministers Guntram Schneider. Der Sozialdemokrat berichtete über Gespräche zwischen ihm, der Standortleitung von Voith Paper und dem Betriebsrat und bot für die Landesregierung an, falls gewünscht eine „beratende und vermittelnde Rolle“ zwischen Krefelder Arbeitnehmerschaft und Unternehmensführung zu übernehmen. „Wir kämpfen in Nordrhein-Westfalen um jeden einzelnen Industriearbeitsplatz“, versicherte er der applaudierenden Belegschaft.

Schneider sprach aus, was viele, die um ihren Arbeitsplatz bei Voith Paper fürchten, denken. Die Erfahrung lehre, so Schneider, dass mit der Schließung einer Produktion – zu der in Krefeld auch die Abteilungen Konstruktion und Entwicklung gehören – nicht selten der erste Schritt zur Schließung des kompletten Standorts gemacht sei. Das Krefelder Werk wird keine neuen Maschinen mehr bauen, sondern sich auf Umbau und Anpassung bestehender Maschinen konzentrieren, erläuterte Antti Kaunonen seinerzeit. Krefeld werde aber „Kompetenzzentrum“ für Kalander und Rollenschneider bleiben – werde also Maschinen zur Bearbeitung von Papier warten und oder umbauen, hatte der Voith-Paper Geschäftsführer aus der Firmenzentrale versprochen.

Westdeutsche Zeitung Krefeld, 24.09.13

Kampf um den Voith-Standort
MASCHINENBAU Minister Guntram Schneider sagt den betroffenen Mitarbeitern seine Unterstützung zu.
Von Karl-Gerhard Deußen

Es wird kein leichter Weg, den die Mitarbeiter und der Betriebsrat von Voith Paper am Standort Krefeld vor sich haben. 213 Stellen und damit die komplette Produktion sollen wegfallen, weitere 20 Stellen in Verwaltung und Engineering sollen nach Heidenheim verlagert werden (die WZ berichtete). Seine Unterstützung auf diesem Weg sicherte gestern NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) rund 200 Beschäftigten zu, die sich aus Anlass seines Besuchs vor dem Werk versammelt hatten.

Eine Idee ist, persönliche Briefe an die Familie Voith zu schreiben

"Die Landesregierung hat großes Interesse daran, dass der Standort mit allen Funktionen, auch der Produktion, erhalten bleibt", sagt Schneider. "Ein Standort ohne Produktion kann schnell zu einem Sterben auf Raten führen. Ich bin überzeugt, dass es Möglichkeiten gibt, rentabel zu produzieren. Der Betriebsrat teilt diesen Eindruck. Der Standort ist nicht defizitär. Ich kann den Verantwortlichen nur den Rat geben, gemeinsam mit dem Betriebsrat nach Alternativen zu suchen."

Schneider hat dem Standortleiter Joachim Hinz und dem Betriebsratsvorsitzenden Hans-Jürgen Joachim Beratung und auch Vermittlung bei Streitigkeiten angeboten. Er will auch die Familie Voith bitten, ihre Entscheidung zu überdenken.

Letzteres wollen auch die Krefelder SPD-Landtagsabgeordneten Ina Spanier-Oppermann und Ulrich Hahnen tun. Spanier-Oppermann: "Was hier passiert, ist für mich ein Skandal. Dem Betrieb geht es gut, trotzdem will man sich vom Standort verabschieden. Lasst uns gemeinsam für ihn kämpfen." Auch Hahnen will die Familie Voith persönlich anschreiben und das Thema im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung erörtern.

Joachim kündigte an, jetzt einen Gegenvorschlag machen zu wollen. "Wir hoffen, dass wir Gehör finden. Wir wollen den Standort nicht ohne Kampf aufgeben."

Die Unterstützung der Gewerkschaft sicherte dafür auch IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Ralf Köpke zu. Er hat nach Bekanntmachung der Voith-Pläne viele neue Mitglieder verzeichnet: "Wir unterstützen den Betriebsrat dabei, Alternativen zu erstellen." Der Markt für die Kalander und Rollenschneider sei schwierig, aber es gebe Möglichkeiten.