Roland Schiffer – verlässt er ein sinkendes Schiff?

Fraktionschef Uli Hahnen MdL nimmt mit einem Geschenk Abschied von Roland Schiffer (rechts). Foto: Gerda Schnell
Fraktionschef Uli Hahnen MdL überreicht Roland Schiffer (rechts) ein Geschenk zum Abschied
Auch Dr. Eugen Gerritz, Bürgermeister Frank Meyer und Alt-OB Willi Wahl waren unter den Gästen. Foto: Gerda Schnell
v.l. Ex-MdL Dr. Eugen Gerritz, Bürgermeister Frank Meyer und Alt-OB Willi Wahl

Im Theater – wo sonst? – verabschiedete sich Roland Schiffer am 5. Dezember 2013 von seinem Amt und von seinen Weggefährten.

23 Jahre, so lange wie keiner seiner Kollegen, hatte der streitbare Sozialdemokrat der Stadt Krefeld als Beigeordneter gedient. Die Funktion eines Kulturdezernenten war ihm auf den Leib geschneidert, daran hatte weder bei Freund noch bei Feind je ein Zweifel bestanden, und der Empfang im Theaterfoyer war eine einzige Bestätigung der erfolgreichen Arbeit, die Schiffer vor allem eben auf diesem Gebiet im Verlaufe der Jahrzehnte geleistet hatte.

Unter den Gästen sah man auch viele Sozialdemokraten, so u.a. den Landtagsabgeordneten und Chef der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Krefeld, Uli Hahnen, den Parteivorsitzenden und Bürgermeister Frank Meyer, Ex-MdL Dr. Eugen Gerritz, Alt-OB Willi Wahl, Klaus Kokol, den kulturpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, die Ratsmitglieder Wilfried Bovenkerk und Gerda Schnell, Fraktionsgeschäftsführer Dirk Plaßmann, Ex-Dezernent Klaus Lorenz sowie einige der wenigen Krefelder Amtsleiter und Beamten mit SPD-Parteibuch.

Mit Schiffer, dessen Dezernat nach dem Willen der Mehrheits-Koalition auf seine Kollegen aufgeteilt wird, verliere die Fraktion ihren einzigen "eigenen" Beigeordneten, beklagte Uli Hahnen in seiner Laudatio.

Schiffer ging in seiner Dankes- und Abschiedsrede u.a. auf die schwierige Haushaltslage ein. In der Seidenstadt habe er notgedrungen das Sparen lernen müssen.

Dr. Jens Voß, Redaktionsleiter der Rheinischen Post Krefeld, veröffentlichte folgenden Artikel in der Ausgabe der RP am 6. Dezember 2013:

Ein „Kulturberserker“ geht: Abschied von Roland Schiffer

Vor 150 Gästen aus Politik, Verwaltung und der Kulturszene ist gestern der Sozial- und frühere Kulturdezernent Roland Schiffer nach fast 24 Jahren aus dem Dienst in der Krefelder Verwaltung verabschiedet worden. Mit ihm geht ein Mann, der immer auch polarisiert hat – was er selbst ironisch thematisierte. Schiffer zitierte Konrad Adenauer, der in seiner Abschiedsrede als Bundeskanzler gesagt hat: „Ich danke Ihnen allen ausnahmslos, dem einen mehr und dem anderen weniger.“ Gestern Abend schlug im Theaterfoyer die Stunde der Freunde und Weggefährten – und da war vor allem zwischen Schiffer und Kulturschaffenden Herzlichkeit zu spüren. Als Theaterintendant Michael Grosse, der Schiffer seit 1995 kennt, dem „lieben Roland“ dankte und ihm zu Ehren eine Satire von Heinrich Heine vortrug, da war das wohl auch eine Hommage an Schiffers Gabe der geschliffen-ironischen Rede. Oberbürgermeister Gregor Kathstede würdigte Schiffer als jemanden, der mit Empathie dazu beigetragen habe, Krefeld kulturell lebendiger zu machen. Kathstede erinnerte daran, dass in Schiffers Amtszeit die Gründung des Kresch-Theaters, der Bau der Mediothek, die Sanierung des Theaters und der Ausbau der Fabrik Heeder gefallen seien.

Für die SPD würdigte Fraktionschef Ulrich Hahnen Schiffer als den „letzten roten Dezernenten“ in der Verwaltungsspitze, der aber trotz SPD-Mitgliedschaft den Genossen gegenüber nie Internas aus der Verwaltung ausgeplaudert habe – da war Schiffer loyaler Dezernent. Hahnen erwähnte auch, dass Fraktion und Dezernent oft gegenteiliger Meinung gewesen seien, „in freundschaftlichem Miteinander“.

Während der Händedruck zwischen beiden knapp ausfiel, war zwischen Schiffer und dem Tenor Walter Planté Wärme zu spüren: Planté sang für Schiffer das Chanson „La Mer“ – beide umarmten sich vor und nach dem Vortrag; Schiffer sagte, seine Familie wisse, warum er das Lied so liebe.

Schiffer selbst blickte selbstbewusst, aber auch selbstironisch zurück. Als Oberbürgermeisterkandidat der SPD sei er 1999 „kläglich gescheitert“, sagte er; gescheitert sei er auch bei dem Versuch, die Sammlung Lauffs für Krefeld zu retten – „alles andere ist gelungen“, meinte er weiter; ironisch, wenn man dem Gelächter der Gäste glauben darf. Schiffer erwähnte auch den Ausbau des Kaiser-Wilhelm-Museums. Der Streit um das Depot, das nach der Sanierung zu klein für die Sammlung sein wird, hat Schiffer wohl das geliebte Kultudezernat gekostet: Die Ratsmehrheit aus CDU, FDP und UWG fühlte sich schlecht informiert, kalt erwischt – und lastete dies Schiffer an, auch wenn es stets hieß, dass die Pläne von Anfang an die fehlende Depotfläche ausgewiesen hätten. Dennoch: Vor einem Jahr wurde ihm das Kulturdezernat weggenommen.

Schiffer trat am Ende nicht nach, bedankte sich für die Zeit in Krefeld. Kathstede habe ihn einmal als „Kulturberserker“ bezeichnet – Schiffer zeigte sich zuversichtlich, dass es ihm bei dieser Interessenlage nicht langweilig werde. Krefelder Belange will er weiterverfolgen – aber ohne Leidenschaft, kündigte er an. Zum Zeichen des Wechsels von der Vita Activa zu Vita Contemplativa zog er das Jackett aus und eine von seiner Frau gestrickte Strickjacke über. Für ein paar Minuten jedenfalls, bevor er wieder zum Jackett wechselte und in tadellosem Kulturberserkertheaterpremierenschwarz zum Feiern einlud.