Flashmob „Pflege am Boden“ auf dem Krefelder Neumarkt

Diese Menschen wollen ein Zeichen setzen, um Pflege zu verbessern
Diese Menschen demonstrieren für eine bessere Pflege
Wolfgang Pasch im Gespräch mit Passanten
Wolfgang Pasch (Mitte) im Gespräch mit Passanten

Mehr als 30 Menschen, denen das Thema „Pflege“ wichtig ist, kommen am 11. Januar 2014 kurz vor zwölf auf dem Neumarkt in Krefeld zusammen und legen ihre Transparente aus. Sie arbeiten im Bereich der Krankenpflege, der Altenpflege, der Kinderkrankenpflege. Manche sind schon lange im Beruf tätig, andere studieren Pflege oder sind noch in der Ausbildung. Angestellt sind sie in stationären oder ambulanten Einrichtungen, Kliniken, Hospizen oder Pflegediensten. Auch Arbeitgeber und Leiter von Pflegediensten sind dabei, aber auch pflegende Angehörige und andere Interessierte.

Um fünf vor zwölf legen sich die Aktivisten demonstrativ auf den Boden – für zehn Minuten. Wohlgemerkt: Mitten im Januar! Und zeitgleich geschieht das Gleiche in siebzig Städten bundesweit.

Passanten bleiben stehen und lesen Plakate und Transparente. Eine Passantin legt sich ganz spontan dazu und zeigt Solidarität. Wenige Meter entfernt stehen Infostände zweier politischer Parteien. Teilnehmer am Flashmob und Politiker kommen ins Gespräch.

Die Aktion "Pflege am Boden" ist ein von Parteien und Verbänden unabhängiger Zusammenschluss von Menschen, für die Pflege ein wichtiges Thema ist und die auf die Missstände in der derzeitigen Pflegesituation hinweisen wollen. Es geht darum, sich bemerkbar zu machen und Aufmerksamkeit zu erregen, und zwar in zwei Richtungen:

Die Öffentlichkeit soll darauf hingewiesen werden, dass es nicht alleine um die Arbeitssituation der Pflegenden geht. Wenn es nicht genug Pflegende gibt, wenn an Pflege gespart wird, wenn mit der jetzt oft nötigen "Minutenpflege" nicht endlich Schluss gemacht wird, dann betrifft das jeden von uns. Denn wir alle sind potentielle Patienten. Jeder von uns kann jederzeit pflegebedürftig werden – unsere Kanzlerin macht gerade diese Erfahrung.

Politik und Entscheidungsträger müssen begreifen, dass der Reformstau im Bereich der Pflege dringend aufgelöst und abgearbeitet werden muss. Wir brauchen die Umsetzung des Begriffs "Pflegebedürftigkeit" – und dies so schnell wie möglich. Wir brauchen gesetzlich verbindliche Standards für die Mindestbesetzung mit Personal in allen Sektoren der Pflege, damit sichere und menschenwürdige Pflege möglich wird. Wir benötigen dringend eine Reform der Pflegeausbildung, eine leistungsgerechte Entlohnung und Anerkennung für Pflegefachpersonen.

Schließlich ist eines der Ziele recht klar: Um den vor uns liegenden Pflegebedarf bewältigen zu können, müssen wir in den nächsten 20 Jahren 500.000 Pflegende mehr ausbilden, als wir es jetzt tun. Daher muss es gelingen, diesen Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen.

Wir haben kein Erkenntnisproblem – wir haben ein Umsetzungsproblem

Für die im Pflegebereich vorhandenen Probleme gibt es hinreichend wissenschaftliche Belege. Ebenso gibt es für die notwendigen Reformen bereits seit Jahren die erforderlichen Erkenntnisse – auch Konzepte, Pläne und Eckpunktepapiere für die Umsetzung liegen schon lange in den Schubladen der Ministerien.

Die Aktion „Pflege am Boden“ macht deutlich, dass es mit Ankündungen nicht getan ist. Es müssen endlich Taten folgen!

Wenn Pflegende symbolisch bundesweit zu Boden gehen, dann nicht als Zeichen der Schwäche oder Resignation, sondern als Zeichen dafür, dass Pflege aufsteht – für die Pflegebedürftigen, für die pflegenden Angehörigen und nicht zuletzt für die professionell Pflegenden.

Nicht nur an diesem 11. Januar 2014, sondern immer wieder. Und die Aktion bekommt immer mehr Unterstützer!

Initiator des Flashmobs in Krefeld ist Gesundheits- und Krankenpfleger Wolfgang Pasch. Der Diplom-Berufspädagoge ist als klinischer Ethikberater und als Lehrer tätig. Pasch ist aktiver Gewerkschafter und Mitglied des SPD-Vorstands in Krefeld.