Krefelds Delegierter Wolfgang Merkel trifft Martin Schulz in Berlin

Wolfgang Merkel und Michelle Müntefering MdB
Wolfgang Merkel und Michelle Müntefering MdB
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, mit Wolfgang Merkel aus Krefeld
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, mit Wolfgang Merkel aus Krefeld

Rund 600 Delegierte, darunter auch Wolfgang Merkel aus Krefeld, feierten am Sonntag in Berlin Martin Schulz, den SPD-Spitzenkandidaten für die Europawahl 2014. Schulz wurde mit überwältigenden 97,3 Prozent gewählt. In einer leidenschaftlichen Rede erklärte er, welche Visionen er hat, für welche Werte er steht und was in Europa besser werden muss.

Martin Schulz zeigte sich zu Beginn seiner Rede ergriffen ob des großen Vertrauens, das ihm die Delegierten in Berlin entgegen brachten: "Ich verspreche euch, ich werde alles tun, um diesem Vertrauen gerecht zu werden. Ihr könnt euch darauf verlassen, dass ich für unsere gemeinsame Sache kämpfen werde."

Am Sonntag haben die Europadelegierten der SPD in Berlin die Anwärter auf die 96 deutschen Sitze im Europäischen Parlament gewählt. Der amtierende Präsident des Europäischen Parlaments sorgte dafür, dass den Delegierten trotz erheblicher Minusgrade in der Hauptstadt warm ums Herz wurde. Er begeisterte die Delegierten mit einem überzeugenden Plädoyer für ein starkes Europa. Endlich hätten es die Wähler in der Hand, einen Kommissionspräsidenten demokratisch zu wählen.

Wolfgang Merkel, seines Zeichens Vorsitzender der SPD Nord-Ost und der einzige Delegierte Krefelds, hatte Gelegenheit, Martin Schulz persönlich zu seiner großartigen Rede zu gratulieren. Dieser erinnerte sich offensichtlich gerne an den letzten "politischen Aschermittwoch", als er Ehrengast beim traditionellen Fischessen der Krefelder SPD gewesen war: „Ich bin dankbar, dass Bernd Scheelen mit eingeladen hat, das war eine schöne Veranstaltung bei Euch, die mir sehr gut gefallen hat.”

Sigmar Gabriel zitierte im Verlaufe seiner Ansprache Sahra Wagenknecht (Die Linke), die doch wahrhaftig behauptet habe, "die EU (sei) ein Hebel zur Zerstörung der Demokratie". Welch eine Dummheit! Der SPD-Parteivorsitzende verwies darauf, dass schon in der Weimarer Republik sowohl die Rechten als auch die (ganz) Linken gegen die Demokratie gekämpft hatten. "Da verbünden sich die rechten und die linken Feinde Europas. Beiden treten wir entgegen", rief Gabriel unter dem Applaus der sozialdemokratischen Delegierten aus ganz Deutschland.

Die Beteiligung der SPD an der Bundesregierung machte neben der Europadelegierten-Konferenz einen außerordentlichen Bundesparteitag erforderlich, denn es mussten Nachfolger gewählt werden für die Sozialdemokraten, die mittlerweile Minister geworden sind. Wolfgang Merkel freut sich darüber, dass der neue Schatzmeister der Bundes-SPD, Dietmar Nietan, genau wie seine Vorgängerin Barbara Hendricks (jetzt Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) aus Nordrhein-Westfalen kommt.

Beide Veranstaltungen verliefen im übrigen in vollster Harmonie, und gegen Abend hatten die meisten Delegierten nur noch eins im Sinn: Den letzten Zug in die Heimat zu bekommen. "Um fünf Uhr in der Früh ging es zu Hause los und gegen Mitternacht war ich wieder in Krefeld", berichtet ein doch ein wenig erschöpfter Wolfgang Merkel.

Merkel dürfte allerdings einer derjenigen Delegierten gewesen sein, bei denen während des anstrengenden Tages mit Sicherheit keine Langeweile aufgekommen ist. Seine Tischnachbarin war nämlich Michelle Müntefering MdB, die den Parteitag mit flotten Sprüchen kommentierte und in den Pausen Gedichte rezitierte, so u.a. das "Revoluzzer-Gedicht" von Erich Mühsam.

War einmal ein Revoluzzer,
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: «Ich revolüzze!»
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Strassen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Strassenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: «Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn‘ das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Lasst die Lampen stehn, ich bitt! –
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit.»

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.