Jubelfeier im Josef-Hellenbrock-Haus: 19 Direktmandate für die SPD!

v.l. Halide Özkurt, Kenan Kiraz, Frank Meyer, Mesut Akdeniz, Mustafa Ertürk
v.l. Halide Özkurt, Kenan Kiraz, Frank Meyer, Mesut Akdeniz, Mustafa Ertürk

Fast bis zum Ostwall war sie zu hören, die Begeisterung der Sozialdemokraten und ihrer Freunde bei der Wahlsiegparty am Sonntagabend. Jedesmal, wenn der Liveticker ein neues Direktmandat der Krefelder SPD meldete, brandete frenetischer Jubel auf. Neunzehn Direktmandate im neuen Stadtrat, wer hätte das zu träumen gewagt!

Die bisherigen Ratsmitglieder Uli Hahnen MdL, Anke Drießen-Seeger, Wilfried Bovenkerk, Christoph Aretz, Roman Dahm, Rolf Horster, Michael Haas, Jürgen Hengst und Joachim Gabriel haben ihre Wahlkreise erfolgreich verteidigt oder zum ersten Mal direkt geholt, neu hinzugekommen sind – ebenfalls direkt gewählt – Benedikt Winzen, Gisela Klaer, Jürgen Oppers, Karin Späth, Mustafa Ertürk, Halide Özkurt, Björn Rüsing, Julian Seeger, Simone Klein und Gabi Schock.

Wie überall liegen auch hier Freud und Leid nah beieinander. Wegen des tollen Wahlergebnisses zieht die Ersatzliste der SPD nicht, sie ermöglicht nur dem Spitzenkandidaten Frank Meyer den Sprung in Rat. Auf langjährige und wichtige Ratsmitglieder wie Doris Nottebohm, Hans Butzen und Klaus Kokol muss die Fraktion in der kommenden Legislaturperiode verzichten. Auch der Landtagsabgeordneten Ina Spanier-Oppermann gelingt der Einzug in den Stadtrat nicht.

Im künftigen Rat sind bis auf Hüls alle Stadtbezirke mit wenigstens einem SPD-Mitglied vertreten. Überraschend ist es Uli Hahnen MdL gelungen, den „schwarzen“ Wahlkreis Bockum-Kirche rot zu färben, und den Genossen in Oppum-Linn, ihre drei Wahlkreise zu gewinnen. Die SPD Mitte hat zum ersten Mal seit Jahrzehnten vier ihrer fünf Wahlkreise geholt. Zum Wahlkrimi an diesem Abend gehört auch, dass es eine ganze Weile so aussah, als könne sogar der fünfte Mitte-Wahlkreis – der normalerweise uneinnehmbare Bismarckplatz – erobert werden.

Vier Frauen hatte die Fraktion bisher, künftig sind es immerhin sechs, und das, obgleich die Liste praktisch keine Rolle gespielt hat. Anke Drießen-Seeger ist die einzige Ratsfrau aus der alten Fraktion, sie freut sich sichtlich über die Verstärkung der Frauenriege durch ihre frischgewählten Ratskolleginnen Gisela Klaer, Gabi Schock, Karin Späth, Halide Özkurt und Simone Klein.

Der Vorsitzende der Moschee-Gemeinde Stahldorf, Kenan Kiraz, und der Vorsitzende der Union der türkischen und islamischen Vereine, Mesut Akdeniz, gratulieren Parteichef Frank Meyer mit einem Blumenbukett zum Wahlerfolg und bestehen darauf, mit ihm und den beiden frischgebackenen Ratsmitgliedern Halide Özkurt und Mustafa Ertürk abgelichtet zu werden.

Manche Bürger haben sich zwar an Europawahl und an Stadtratswahl beteiligt, die Wahl der Bezirksparlamente jedoch ignoriert. So spiegelt sich das großartige Wahlergebnis nicht in allen Bezirken wider, aber in Nord, Hüls, Oppum-Linn, Ost und Uerdingen hat die SPD jeweils einen Sitz hinzugewonnen.

Dem Stadtrat werden in der kommenden Periode neun Parteien angehören. Das wird die Arbeit des Parlaments sicher nicht einfacher machen und die Lösung der Probleme, mit denen die Stadt zu kämpfen hat, erschweren.

Die Rheinische Post ("Krefelder Stadtpost", Norbert Stirken) veröffentlichte am 26. Mai 2014 u.a. folgenden Kommentar.

SPD ist der Wahlsieger und holte 19 Direktmandate
Einige erfahrene Politiker verpassten den Einzug in den Stadtrat. Ulrich Hahnen soll Fraktionschef bleiben.

Der Jubel bei der SPD kannte um 22.49 Uhr gestern keine Grenzen. Da stand das vorläufige Endergebnis der Kommunalwahl fest. Die SPD ist der Gewinner mit 34,7 Prozent und einem Plus von 4,03 Prozent. Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei der Wahl der Direktkandidaten in den 29 Wahlbezirken aus. Die Sozialdemokraten drehten das Ergebnis der vergangenen Wahl 2009 um und holten 19 statt zehn Direktmandate. Ulrich Hahnen, Landtagsabgeordneter und bisheriger sowie designierter zukünftiger Fraktionschef holte in Bockum-Kirche die Mehrheit und schaffte damit Historisches.

Von Beginn der Auszählung an befanden sich die Sozialdemokraten auf Siegeskurs, am Ende wurde es doch noch mal spannend. Am Ende hatte die SPD die Nase zwar vorn, aber wie die CDU auch 20 Sitze im zukünftigen Stadtparlament. „Wir haben den Gestaltungsauftrag der Wähler erhalten“, betont SPD-Spitzenkandidat Frank Meyer, der im kommenden Jahr als Oberbürgermeisterkandidat gegen den Amtsinhaber Gregor Kathstede antreten wird. Das Wahlergebnis habe der SPD und auch ihm kräftigen Rückenwind verliehen. Das gute Ergebnis bei den Direktmandaten hat jedoch auch eine Kehrseite. Erfahrene Genossen, die einen an sich guten Platz auf der Liste hatten, werden im neuen Rat fehlen: Hans Butzen, Klaus Kokol, Ina Spanier-Oppermann und Doris Nottebohm haben den Einzug in den neuen Rat verpasst.

Schon heute Abend werden die Sozialdemokraten zur konstituierenden Fraktionssitzung bitten. Meyer kündigte gestern an, Hahnen für das Amt des Fraktionsvorsitzenden vorzuschlagen. „Bei uns sind so viele junge Leute vom Wähler in die politische Verantwortung genommen worden, da steht es uns gut zu Gesicht, den erfahrenen Politiker zum Vorsitzenden zu machen“, erklärte Meyer gestern.

Meyer dankte gestern am Südwall in den Parteiräumen für einen engagierten und fleißigen Wahlkampf. Er selbst hat mehr als 300 Termine bei Vereinen und Initiativen, in Senioren- und Jugendeinrichtungen wahrgenommen, um für seine und die der Partei zu werben – mit Erfolg.