Mia Böhmers schönstes Geschenk zum 80sten Geburtstag: Der Wahlsieg

Mia Böhmer
Mia Böhmer

Am Abend der Kommunalwahl stand sie ganz vorne im Saal des Josef-Hellenbrock-Hauses, verfolgte aufmerksam die nach und nach eintrudelnden Informationen zu den gewonnenen Wahlkreisen und freute sich sichtlich über jede einzelne Siegesnachricht: Mia Böhmer, seit 55 Jahren Mitglied der SPD und eine der aktivsten Wahlkämpferinnen in Krefeld. Bis irgendwann zwischendurch Spitzenkandidat Frank Meyer die Aufmerksamkeit der jubelnden Menge auf die bescheidene kleine Frau lenkte: „Wir gratulieren Mia Böhmer, die heute hier mit uns ihren achtzigsten Geburtstag feiert.“ Unter dem Beifall der Genossen überraschte der Parteivorsitzende das Geburtstagskind mit einem Blumenstrauß, von dem sie später sagen sollte: „Ich wollte zum Geburtstag keine Blumen, habe aber dennoch ganz viele bekommen. Der Blumenstrauß vom Frank ist einfach der schönste.“

Mia Böhmer wohnt in der Dykgegend und gehört daher zum Ortsverein Krefeld-Nord. Ralph-Harry Klaer, der Vorsitzende des Ortsvereins und Ehemann der frischgebackenen Ratsfrau Gisela Klaer, hat der rüstigen Seniorin natürlich ebenfalls gratuliert und sie nach ihrem Leben befragt. Hier ein Auszug aus seinen Notizen:

Meine Mutter hat gesagt: „Wir sind Arbeiter und deshalb SPD“. Mein Vater wandte ein, „die Kommunisten haben auch kluge Köpfe“, aber meine Mutter meinte, „die SPD hat mehr Kultur“. Zu Hause wurde viel diskutiert, das war gefährlich. Wenn mein Vater abends in der Kneipe war, musste ich ihn immer abholen, damit er keinen „Unsinn“ erzählt. Meine Eltern waren übrigens Mennoniten, und auch habe mich taufen lassen, als ich 16 Jahre alt war.

An einem Sonntagmorgen sagte KaWi (der bei den älteren unter uns unvergessene Karl-Wilhelm Böhmer, Mias Mann, ein begeisteter Sänger und Gitarre-Spieler): „Heute treten wir in die SPD ein“ und am 1. August 1957 hat er es getan. „Deinen Beitrag (monatlich 60 Pfennige) können wir uns aber noch sparen“, sagte KaWi, und deshalb ist Mia erst am 20. April 1959 eingetreten. „Wir brauchten jemanden, an den wir uns wenden konnten. Wir suchten die Gemeinschaft, wir brauchten eine Wohnung, da haben die SPD und die Gewerkschaft geholfen."

Mit 14 ging Mia in die Lehre als Industriekauf“mann“ und erhielt für die ersten beiden Wochen 12,50 Mark. Nach vier Jahren bekam sie mit vielen anderen die Kündigung, da es mit der Textilindustrie bergab ging. „Der Pfarrer hat geholfen“, Mia ist Mennonitin. Durch Vermittlung des Arbeitsamtes kam sie dann bei einer Firma in der Buchhaltung in die Faktura Abteilung, die sie im späteren Verlauf leitete.

Nach 17 Jahren widmete sie sich der Erziehung ihres Sohnes Lars. Nebenbei hat sie noch ein bißchen gearbeitet oder geholfen. Beispielsweise hat sie für den damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Volkmar Kretkowski geschrieben und hat sogar noch eine Lohnbescheinigung des deutschen Bundestages vom Dezember 1977 aufbewahrt. „Es gab viele Menschen, denen ich in der Partei begegnet bin, die mich beeindruckt haben, Volkmar war einer davon.“

Nach acht Jahren hat Mia wieder im Kreiswehrersatzamt angefangen. „Die haben mich genommen, obwohl ich bei der SPD war. Und ich dachte, vielleicht braucht dann der Lars nicht zu den Soldaten.“

Mit 60 Jahren ging Mia in Rente und gehört seither zum festen Team des Eine-Welt-Ladens auf dem Westwall. Sie ist eine der Aktivsten im Esperanto Klub. Sie arbeitet bei „Menschen für Menschen“ mit unterstützte das „Freie Kinderdorf Brasilien“ bis zu seiner Schließung.

Bei der SPD Krefeld-Nord ist sie acht Jahre lang Kassiererin gewesen. „Meine Kasse hat immer gestimmt. Mal hatte ich sogar eine Deckung von mehr als 100 Prozent, weil ein Mitglied weiter bezahlt hat, obgleich es ausgetreten war. Zu der Zeit wurde noch von Hand an der Haustüre kassiert und ich kannte jeden mit Namen und seinen Beitrag. Manche haben schon im Januar den gesamten Jahresbeitrag im voraus bezahlt. Denen habe ich dann beim Kassieren frohe Ostern, alles Gute zum Geburtstag und besinnliche Weihnachten in einem gewünscht.“ Schon vor Jahren ist Mia Böhmer für ihr herausragendes Engagement mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt worden. Das ist die höchste Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat.

Sie hat sich sehr gefreut, dass ihre 55-jährige Mitgliedschaft im „Vorwärts“ erwähnt worden ist. Noch immer ist Mia eine der aktivsten Wahlkämpferinnen im Ortsverein Krefeld-Nord. „Sie hat alleine bei der Mammutwahl in diesem Jahr rund 4000 Flyer im Dykgebiet verteilt und war an mindesten zehn Ständen in Diskussionen präsent, nicht gerechnet die sonstigen Aktionen in der Innenstadt. Sie kommt auch zu allen weiteren Wahlkampf Aktivitäten. Sie nimmt grundsätzlich an allen Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen teil“, sagt Ralph-Harry Klaer beeindruckt. „Auf Mia Böhmer ist einfach immer Verlass. Sie ist überall beliebt, spielt sich nie in den Vordergrund und hat mit Sicherheit einen großen Anteil daran, dass meine Frau Gisela ihren Wahlkreis gleich im ersten Anlauf direkt hat gewinnen können.“