„Er geht, sie kommt: Gisela Brendle-Vierke tritt in die Fußstapfen ihres Mannes Martin und ist Bezirksvorsteherin Süd“

Gisela Brendle-Vierke
Gisela Brendle-Vierke

Die Brendles: Engagiert im Doppelpack
Er geht, sie kommt: Gisela Brendle-Vierke tritt in die Fußstapfen ihres Mannes Martin und ist Bezirksvorsteherin Süd
VON BÄRBEL KLEINELSEN (Rheinische Post am 21.06.14)

Süd // Der Garten ist eine blühende Oase am Rande der südlichen Innenstadt. Er wird gehegt und gepflegt von Gisela Brendle-Vierke und ihrem Mann Martin. Das Paar mit den grünen Daumen hat auch ein Händchen für Kommunalpolitik. Mit viel Liebe engagieren sich die beiden für den Südbezirk, hegen und pflegen ihr empfindliches „Pflänzchen“ seit über 35 Jahren.

„Der Südbezirk hat lange ein Schattendasein geführt. Als ich anfing, mich in der Kommunalpolitik zu engagieren, war ,hinterm Bahndamm? keine besonders gute Adresse in Krefeld“, erinnert sich der langjährige Bezirksvorsteher Süd. Auch Ehefrau Gisela hat die Anfänge noch vor Augen. Alles war irgendwie trist, es fehlten Bäume und Plätze, an denen sich Anwohner für ein Schwätzchen zusammen setzen konnten. Das hat sich heute gründlich geändert – auch dank der Brendles, die unermüdlich „ihren“ Bezirk beackerten, sich für Neupflanzungen, Platz-Umgestaltungen und Häuser-Sanierungen stark machten.

So soll es auch weiterhin sein, verspricht Gisela Brendle-Vierke. Am Mittwoch wurde sie von den Vertretern aller Parteien der Bezirksvertretung Süd während der konstituierenden Sitzung einstimmig als Bezirksvorsteherin gewählt. Als Kennerin des politischen Umfeldes will sie angefangene Projekte weiter entwickeln wie beispielsweise die geplante Promenade zwischen Hohenbudberg und Forstwald, die an der neuen Feuerwache und dem Südbahnhof entlang gehen soll. „Natürlich werde ich ebenfalls für ausgewiesene Anwohner-Parkplätze kämpfen. Schließlich beschäftigt das Parkplatz-Problem die Menschen im Bezirk schon seit langem“, sagt die 66-Jährige.

1947 in Bremerhaven geboren, kam Gisela Vierke über Umwege nach Krefeld. Als Ausbildungsleiterin bei Horten trat sie ihre erste feste Stelle in Aachen an. Mit einer Freundin fuhr sie damals zu einer Jagd-Party nach Belgien. Dort lernte sie „Chef-Koch“ Martin Brendle kennen, der den Gästen Lamm und serbische Bohnensuppe anbot. „Ich weiß noch, dass die meisten Frauen in langen Abendkleidern kamen, weil sie bei Jagd-Party an ein Jagd-Schloss dachten. Dem war natürlich nicht so. Es war eigentlich eine ganz saloppe Sache. Gisela jedenfalls hatte sich ganz normal angezogen. Das ist mir direkt positiv aufgefallen“, sagt Brendle schmunzelnd.

Seiner Frau gefielen die Kochkünste ihrer neuen Bekanntschaft. Obwohl Brendle das Handwerk an sich nie wirklich gelernt hat. Trotzdem weiß der stattliche Krefelder nicht nur in der Politik, wie man sein eigenes Süppchen kocht – und zwar mit Pep. Dem Kochen jedenfalls ist der 73-Jährige bis heute treu geblieben. „Es gab bei uns immer eine klare Aufteilung. Ich sage, was ich gerne essen würde und Martin kocht es so, wie es am besten passt“, erklärt Gisela Brendle-Vierke. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, versteht sich von selbst, dass es damals nicht lange dauerte, bis die Frau an Brendles Seite auch seine Ehefrau wurde und der Liebe wegen nach Krefeld an die Märklinstraße zog. Mit der Geburt von Tochter Miriam wurde das private Glück 1978 perfekt.

Martin Brendle, Jahrgang 1940, stammt aus dem ehemaligen Königreich Jugoslawien. Mit 15 Jahren kam er nach Deutschland, lernte erst Bayern und dann Ostfriesland kennen, bevor er im Südbezirk der Seidenstadt heimisch wurde. Mit 21 Jahren bekam er die deutsche Staatsbürgerschaft. Über 40 Jahre lang arbeitete der gelernte Kfz-Mechaniker als kaufmännischer Angestellter im Außendienst. Nebenbei engagierte er sich ehrenamtlich, sei es in Kindergarten, Schule oder Bürgerverein.

Auch für Gisela Brendle-Vierke ist Engagement Ehrensache. „Das ergab sich immer irgendwie. Erst war ich Schulsprecherin, dann Landesschulsprecherin. Dann hieß es, Du kannst das doch so gut, mach mal. Also machte ich. Und so ging es wieder weiter“, erklärt die staatlich geprüfte Betriebswirtin. Auch im Presbyterium der Lutherkirche, die zur Kirchengemeinde Süd zählt, ist die Power-Frau aktiv. Und natürlich zuletzt in der Bezirksvertretung Süd als Sprecherin der SPD-Fraktion. In dieser Funktion trug sie in den Sitzungen auch Wortgefechte mit ihrem Mann aus, der zwar ebenfalls der SPD angehört, als Bezirksvorsteher aber eine eher neutrale Position einnehmen muss. „Wir beide lassen uns viele Freiheiten. Das müssen wir auch, weil wir in unserer Art und unserem Temperament verschieden sind. Uns verbindet jedoch das Interesse an unserem Stadtteil und seinen Menschen“, sagt Gisela Brendle-Vierke.

Als neue Bezirksvorsteherin will sie den Menschen mit viel Freundlichkeit begegnen und immer ein Ohr für ihre Sorgen und Nöte haben. Ihr Mann wird als Unterstützer an ihrer Seite sein. Mehr aber auch nicht, betont der 73-Jährige. „Man sollte aufhören, solang man gut ist. Außerdem ist es Zeit, Jüngeren Platz zu machen.“ Seine sieben Jahre jüngere Frau bedankt sich für das Kompliment und lächelt.