Hunger – die vergessene Katastrophe

v.l. Bärbel Dieckmann, Siegmund Ehrmann MdB, Gerlinde Wientgen
v.l. Bärbel Dieckmann, Siegmund Ehrmann MdB, Gerlinde Wientgen

„Hunger – Die vergessene Katastrophe“, unter dieser Überschrift informierte und diskutierte jetzt der Krefelder Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann im gut besuchten Südbahnhof. Gäste der SPD Krefeld waren Bärbel Dieckmann, seit 2008 ehrenamtliche Präsidentin der Welthungerhilfe, und Gerlinde Wientgen, Vorsitzende des Arbeitskreises „Dritte Welt“ in Krefeld.

Nach der Begrüßung durch Vorstandsmitglied Ralph-Harry Klaer führte Siegmund Ehrmann in die Thematik ein: „Nahrung ist ein Menschenrecht und gegen dieses Recht wird millionenfach verstoßen.“ Aufgabe der Entwicklungspolitik sei es deshalb, die Bedingungen für Entwicklung, nämlich Ökonomie, Ökologie, Sozialstaatlichkeit und Bildung, zu fördern.

Bärbel Dieckmann berichtete über die Arbeit der Welthungerhilfe, einer der größten zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen in Deutschland. Die Organisation kämpft gegen den weltweiten Hunger und für nachhaltige Ernährungssicherheit.

“842 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger und leben dauerhaft unter dem eigentlich benötigten Kalorienbedarf“, so Dieckmann. Mangelernährung rufe insbesondere bei Kindern irreparable Schäden bei ihrer Entwicklung hervor. Die Welthungerhilfe setze sich für eine Förderung standortgerechter Landwirtschaft ein; elementar bedeutsam seien der Zugang zu sauberem Wasser, umweltfreundliche Energieversorgung und die Verbesserung von Gesundheit und Bildung. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe, mit dem Ziel, Lebenssituationen langfristig und nachhaltig zu verbessern.

Es gebe aber auch gute Nachrichten, sagte die frühere Oberbürgermeisterin von Bonn: Die Zahl der Hungernden habe in den letzten Jahren zurückgeführt werden können. Dennoch gebe es auch weiterhin viel zu tun. Insbesondere kriegerische Konflikte erzeugten Hunger und seien ein großes Problem bei der Armutsbekämpfung, weshalb sie eindringlich für den Frieden in der Welt appellierte.

Gelinde Wientgen, Vorsitzende des Arbeitskreises Dritte Welt, berichtete von ihrer Arbeit in Krefeld. Der Arbeitskreis führt den „Eine Welt Laden“ am Westwall, der Produkte aus fairen Handel vertreibt. Fairer Handel ermögliche eine nachhaltige Unterstützung von Bauern und Selbsthilfegruppen und sei neben der Information wichtig für die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung.

Nach reger Diskussion, an der sich auch der vormalige SPD-Bundesabgeordnete Bernd Scheelen beteiligte, bestand Einigkeit: In einer globalisierten Welt sei das Wegsehen nicht mehr möglich. Neben dem Einwerben von Spenden und dem zivilgesellschaftlichen Engagement, die mit Sicherheit beide sehr wichtig seien, müsse vor allem der Entwicklungspolitik mehr Gewicht verliehen werden.

Das Foto (Dietbert Wendler) zeigt von links nach rechts: Bärbel Dieckmann, Siegmund Ehrmann MdB, Gerlinde Wientgen