„Wildweihnachtsfahrt“ im Krefelder Jazzkeller

v.l. Markus Türk(tp, tb), Jan Klare (sax), Manfred Heinen (p, keys); Foto: Gerda Schnell
v.l. Markus Türk, Jan Klare und Manfred Heinen. Im Hintergrund Tobi Lessnow und Nils Imhorst

Der Krefelder SPD-Abgeordnete Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien, ist auch im Privatleben aktiver Förderer der Kultur. Sein Herz gehört dem Jazz, so nimmt es nicht wunder, dass er in seinem Wahlkreis seit langem regelmäßig vier Jazzkonzerte pro Jahr persönlich mit den nötigen Finanzen ausstattet. In Krefeld hat er mit dem Jazzklub zu diesem Zweck einen idealen und zuverlässigen Partner gefunden.

Am 3. Advent war es wieder mal soweit: Jazzklubmitglied Siggi Ehrmann und JKK-Ehrenvorsitzender Günter „Fongi“ Holthoff konnten im rappelvollen Krefelder Jazzkeller das hervorragende Quintett "Furiopolis" um Trompeter Markus Türk und Saxophonist Jan Klare begrüßen.

Das Konzert sollte tatsächlich – wie angekündigt – eine „Wildweihnachtsfahrt“ werden; die begeisterten Zuhörer bekamen "klassische deutsche Weihnachtslieder in ungewohnt frechen Arrangements" zu hören, wie die Rheinische Post am 16. Dezember 2014 titelte.

Den vollständigen Artikel von MOJO MENDIOLA lesen Sie hier:

„O du Fröhliche“ im flotten Jazzsound

Furiopolis spielten im Jazzkeller klassische deutsche Weihnachtslieder in ungewohnt frechen Arrangements. Von MOJO MENDIOLA

Als „Wildweihnachtsfahrt“ war das Sonntagskonzert von Markus Türks Band „Furiopolis“ im Jazzkeller angekündigt, und der Titel war goldrichtig gewählt. Besser, man vergaß gleich zu Anfang alles, was man je als jazzige Weihnachten oder Weihnachts-Jazz serviert bekommen hatte. Es gab weder „Jingle Bells“, New Orleans Style noch ein swingendes Rentier namens Rudy. „Furiopolis“ spielten ausschließlich deutsches Liedgut und kannten mehr Weihnachtslieder als mancher im Publikum.

Mit „Fröhliche Weihnacht überall“ stiegen sie ein, fegten auf einen Schlag allen Tannennadelmuff zum Teufel, und trieben das „Oh Du Fröhliche“ durch die halbe Jazz-Geschichte bis hinein in veritablen Bebop. Mit solidem Respekt vor den überlieferten Melodien, stilistisch aber frech wie Straßenköter, drehten sie im Verlauf des Abends nicht nur Elemente des Modern Jazz, sondern auch Township Jive, Reggae, Calypso und – vor allem im zweiten Set – Samba mit viel Witz durch den Wolf.

Die größte Leistung dabei erbrachten der mit fast allen weltmusikalischen Wassern gewaschene Markus Türk an Trompete und Posaune, gelegentlich eine kleine Erinnerung an den genialen Don Cherry wachrufend, und Jan Klare, der wiederum einen Hauch von Herbie Mann einbrachte, erstaunlicherweise aber weniger auf seiner Querflöte, als viel mehr auf seinem Saxofon.

Manfred Heinen schwelgte in der klanglichen Vielseitigkeit seines kleinen Nord-Keyboards und verlieh dem ehrwürdigen „Maria durch ein Dornwald ging“ -gemeinsam mit einem ganz sanft geblasenen Saxofon – das Flair von „Aranjuez“, ehe es beherzt in den Bebop und wieder zurückgeführt wurde, ohne dass ihm auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. Und dabei wurden sie bestens gestützt von Nils Imhorst am Bass und Tobi Lessnow am Schlagzeug. Sogar der Pausenfüller war von besonderer Güte. Ein Live-Mitschnitt der „Jazz Messengers“ wurde über den Bühnenbildschirm eingespielt. „Ihr Kinderlein kommet“ widmete „Furiopolis“ dem Sponsor des Abends, dem Krefelder MdB Siegmund Ehrmann, und dem Ruf waren vorab schon Frank Meyer und einige andere Parteifreunde gefolgt. Überwiegend aber war es ein nach Alter und Zugehörigkeiten gut durchmischtes Publikum nicht nur aus Krefeld, das mit Freude und gelegentlich auch Staunen zuhörte, was Könner wie Markus Türk und seine Mannen aus Liedern wie „Oh Tannenbaum“, „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, „Kommet Ihr Hirten“ und „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ machen können. Klischeefreier durfte man sich selten auf Weihnachten einstimmen lassen.

Auf dem Foto von links nach rechts: Markus Türk (tp, tb), Jan Klare (sax) und Manfred Heinen (p, keys); zur Band "Furiopolis" gehören außerdem: Nils Imhorst (g, b) und Tobi Lessnow (dr), die man im Hintergrund erahnen kann.