„Die Ankömmlinge brauchen vor allem zwei Dinge: Ruhe und etwas zum Essen.“

Glücklicherweise gibt es viele Krefelder, denen das Schicksal der Flüchtlinge zu Herzen geht und die helfen wollen. Aber wie am besten? Manche Bürger wenden sich mit dieser Frage an die Politik, und das hat die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Mitte veranlasst, zu einer öffentlichen Versammlung unter dem Motto „Flüchtlinge – unsere neuen Nachbarn“ einzuladen.

Ratsfrau Anke Drießen-Seeger konnte neben Reinhard Thomas Hellgrewe, der sich seit zwei Jahren in Düsseldorf ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmert, und Günter Pahl, dem Leiter der Abteilung ‚Wohnen‘ im Fachbereich Soziales der Stadt Krefeld, rund 30 Bürger im Josef-Hellenbrock-Haus begrüßen.

Trotz der bedrückenden Thematik wurde es ein höchst interessanter und aufschlussreicher Abend für alle. Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich Anke Drießen-Seeger mit Krawatten bei den beiden engagierten Referenten.

Inhaltlich verweisen wir auf den Artikel von Egon Traxler, veröffentlicht von der Westdeutschen Zeitung am 6. März 2015, den wir hier abdrucken.

Ein Flüchtlingskind kommt in Traar zur Welt
Von Egon Traxler

Rund 1100 Asylsuchende leben derzeit in Krefeld. Wie ihnen geholfen werden kann, darüber diskutierte die SPD.

„Machen, selbst aktiv werden, eine Initiative gründen oder einen Verein.“ Das rät Reinhard Hellgrewe Fragestellern, die wissen wollen, wie man sich in die Unterstützung von Flüchtlingen einbringen könne. Hellgrewe ist seit zwei Jahren einer von rund hundert ehrenamtlichen Mitarbeitern der Diakonie Düsseldorf in diesem Bereich. Er ist zudem Mitglied des SPD-Ortsvereins Mitte, für den Anke Drießen-Seeger rund 30 Interessierte in das Josef-Hellenbrock-Haus am Südwall eingeladen hat.

Als zweiter Experte hat Günter Pahl, Abteilungsleiter im städtischen Fachbereich Soziales und Wohnen, eine frohe Nachricht: „Eine der Familien, die kürzlich im Kirschkamper Hof in Traar untergebracht wurden, ist jetzt von drei auf vier Mitglieder angewachsen.“ Eine junge Frau hat in der Fremde am Luiter Weg ein Kind zur Welt gebracht. Der Hof, der derzeit als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes genutzt wird, soll ab 9. März wieder seinen ursprünglichen Zweck erfüllen. Die Asylsuchenden werden dann in Köln und Neuss untergebracht.

Nicht so die junge Familie, kündigt Pahl an. „Wir wollen ihr den Umzugsstress mit dem Säugling ersparen.“ Ende des Monats sollen die ersten 130 Asylbewerber unter anderem aus der Turnhalle Lindenstraße in das frühere Seniorenheim an der Westparkstraße einziehen. „Wir brauchen dieses Heim dringend, denn in den nächsten Wochen rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen“, sagt Pahl.

Christoph Bönders erläutert für den Flüchtlingsrat, dass in Krefeld die Caritas federführend in der Betreuung sei. Auch sie führe bereits eine Kartei mit ehrenamtlichen Helfern und biete Qualifizierungskurse an. Wichtig sei beispielsweise Sprachunterricht für Erwachsene. Näheres sei über die Internetseite des Flüchtlingsrates zu erfahren.

Von individuellen Besuchen in Flüchtlingsunterkünften rät Pahl dringend ab: „Diese sind kein Zoo. Die Ankömmlinge brauchen vor allem zwei Dinge: Ruhe und etwas zum Essen.“

Zur Zeit sind in Krefeld 531 Menschen in Sammelunterkünften untergebracht (darunter zwei Turnhallen), 217 leben im Familienverband in Großwohnanlagen (u.a. Philadelphia- und Oppumer Straße) und 351 verfügen über eigene, von der Stadt angemietete Wohnungen. 41 Objektbetreuer stünden derzeit für die Flüchtlinge zur Verfügung. Die Zahl der Sozialarbeiter für die über tausend Menschen liege derzeit bei drei, ein vierter wird noch gesucht.

Link auf die Homepage des Flüchtlingrats Krefeld e.V.