Jetzt gilt: Kaffeehaus Schmitz und wunderbaren alten Baumbestand retten!

Abriss von Kaffeehaus Schmitz droht – werden alte Bäume gefällt?
Ein Unternehmen will auf dem Gelände an der Martinstraße Reihenhäuser und Doppelhaushälften bauen. Die SPD stellt Dringlichkeitsantrag.

VON JOCHEN LENZEN (RP 16.04.15)
Ein Mönchengladbacher Unternehmen hat mit der in Österreich lebenden Eigentümerin des „Kaffeehaus Schmitz“ an der Martinstraße am alten Friedhof einen vorläufigen Kaufvertrag geschlossen, der wirksam werden soll, wenn die alte Gaststätte abgerissen werden kann und zehn Bäume des Biergartens gefällt werden können. Nach den Plänen sollen an der Straßenfront fünf Reihenhäuser und im hinteren Grundstück zwei Häuser als vier Doppelhaushälften entstehen. Laut Stadt wurde eine Bauvoranfrage positiv beschieden, doch liegen weder für den Abriss noch für die Baumfällungen bisher Anträge vor. Demzufolge gebe es dafür auch keine Genehmigungen.

Die Nachbarn Toni Peeters sowie Karl und Edmund Kronenberg sind von dem Vorhaben wenig begeistert. „Ich habe nichts gegen einen Neubau an Stelle des Kaffeehauses, aber die Doppelhaushälften würden meine Gewächshäuser beschatten“, sagt Gärtnermeister Karl Kronenberg. Auch Toni Peeters will sich nicht gegen einen maßvollen Neubau wehren, „aber für den Erhalt der zehn alten Laubbäume werde ich mit meinem ganzen Herzblut kämpfen“, kündigt der Musiker und Komponist an. Toni Peeters hat der Eigentümerin in der Vergangenheit mehrfach vergeblich angeboten, das Grundstück mit dem Kaffeehaus zu kaufen, um es weiterzuführen. Es ist nämlich die letzte Gastronomie rund um den alten und den neuen Friedhof, in dem Beerdigungskaffees stattfinden können. „Die Gaststätte ,Haus am alten Friedhof ? ist nämlich geschlossen und öffnet nur auf Anruf für Beerdigungskaffees“, sagt Margret Kronenberg, Inhaberin des benachbarten Blumengeschäfts. Gino Di Grigorio hat das Kaffeehaus vor zwei Jahren gepachtet: „Seitdem habe ich rund 80 000 Euro in das Haus investiert, das ganze Geld, das ich in elf Jahren als Pächter der HTC-Blau-Weiß-Gastronomie am Stadtwald gespart habe“, sagt Di Grigorio, der nach Unstimmigkeiten mit der Eigentümerin gekündigt hat und am Monatsende Schluss machen wird. Er übernimmt ab Mai die Gastronomie im Vereinsheim des Uerdinger Tennisclubs im dortigen Stadtpark.

Ob der Mönchengladbacher Bauträger die Anträge für den Abriss des Kaffeehauses und die Fällung für die zehn alten Bäume noch einzureichen gedenkt oder vom Kaufvertrag gemäß der aufschiebenden Bedingungen zurücktritt, ist offen. Der Chef des Unternehmens war gestern für eine Auskunft nicht zu erreichen. Unterdessen hat die SPD einen Dringlichkeitsantrag für die Sitzung des Denkmalausschusses am kommenden Montag, 21. April, gestellt; sie möchte das Kaffeehaus Schmitz unter vorläufigen Denkmalschutz stellen.

Toni Peeters erklärte jedenfalls gestern im Gespräch mit unserer Redaktion, er sei nach wie vor bereit, Haus und Grundstück zu kaufen und die Gaststätte weiterzuführen.

KOMMENTAR Das Kaffeehaus Schmitz soll abgerissen werden Ein Stück liebenswerter Krefelder Geschichte

Yvonne Brandt (WZ 18.04.15)

Unzählige Gesellschaften haben sich im Laufe der Zeit im Kaffeehaus Schmitz zu Beerdigungskaffees, Kommunions- und Hochzeitsfeiern oder zum abendlichen kühlen Bier im sommerlichen Biergarten unter den hohen Bäumen getroffen. Auch das Boule-Spiel hat von hier aus Krefeld erobert. Damit soll jetzt Schluss sein. Eines der ältesten Fachwerkhäuser in Krefeld ist verkauft und soll vier neuen Doppelhaushälften und fünf Reihenhäusern weichen.

Die Bauvoranfrage wurde positiv beschieden. Der Antrag auf Baumfällung und Abriss des Hauses liegt der Stadt bislang aber nicht vor. Vielleicht liegt das auch daran, dass ein aufmerksamer Bürger in den sozialen Medien auf den drohenden Verlust hingewiesen und die Öffentlichkeit damit wach gerüttelt hat. Schon häufiger sind in der Vergangenheit markante Wahrzeichen dieser Stadt, wie zuletzt noch das Morell-Haus an der Neusser Straße, abgerissen worden, weil Bürger ebenso wie der Großteil der politischen Vertreter davon gar nichts oder erst zu spät mitbekommen haben.

Es stellt sich die Frage, wieso ein solches Ensemble nicht schon längst unter Denkmalschutz steht. Dass dort dringende bauliche Sanierungsmaßnahmen anstehen, wusste auch schon das vorherige Gastronomen-Ehepaar zu berichten. Ein Pächter alleine kann gar nicht so viel Geld investieren, wie es heutige Küchen- und energetische Standards erfordern. Und irgendwann steht dann ein privater Besitzer vor der Frage, sechsstellig zu investieren oder zu verkaufen. Was irgendwann nur noch zählt, ist die Rendite.

Ob der neue Eigentümer von seinem Abriss- und Neubaurecht Gebrauch macht oder nicht, hängt von den noch ausstehenden Genehmigungen und einer denkbaren nachträglichen Unterschutzstellung ab. Doch selbst wenn diesmal das Bauvorhaben scheitert: Ohne eine solide Perspektive für den jetzigen Eigentümer und eine umfassende energetische Modernisierung des Gebäudes wäre der Abriss nur aufgeschoben.

Wenn man diesen lange so geselligen Ort retten will, braucht es Unterstützung und Initiative von der Stadt ebenso wie von Bürgern, die dort auch künftig gerne verschiedene Anlässe feiern und im Sommer ein kühles Bier unter alten Bäumen trinken wollen. Nur so besteht die Chance, ein Stück liebenswerter Krefelder Geschichte diesmal zu retten.