Manche Dinge benötigen in der Politik viel Zeit … Dies trifft insbesondere für die Krefelder Projekte im Bundesverkehrswegeplan zu.

Ratsfrau Gabi Schock

Die Bundesverkehrswegeplanung (BVWP) zielt darauf ab, bestehende Straßen-, Schienen- und Wasserstraßen zu unterhalten und neue, insbesondere Lückenschlüsse, mit hoher Wirtschaftlichkeit zu bauen. Diese Planungen der Bundesregierung erfolgen alle 10-15 Jahre und können die Städte positiv wie negativ beeinflussen: Sie bestimmen die Qualität ihrer Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit, führen aber auch zu negativen Folgen wie Emissionen, Klimawirkungen und Lärm.
In Krefeld werden mehrere Projekte diskutiert, insbesondere der Ausbau der A57 zwischen Meerbusch und Moers sowie der A44 zwischen Neersen und Meerbusch und A524 zwischen Krefeld und Duisburg-Mündelheim, ferner der Ausbau der B9n „Westtangente“. Im Güterschienenverkehr ist es der „Eiserne Rhein“ und bei den Bundeswasserstraßen ist es die Verbesserung der Fahrrinne von Duisburg nach Stürzelberg.

Für die Stellungnahme der Stadt Krefeld zum Teil Güterschienenverkehr sind wir einen neuen Weg gegangen. Zusammen mit den Bürgervereinen, Ratsvertretern sowie der der Verwaltung haben wir einen konstruktiven Prozess angestoßen, der der komplexen und interessensorientierten Aufgabenstellung gerecht wird. Ein breiter Konsens wurde hergestellt, der hohe Chancen hat, in Düsseldorf und Berlin gehört zu werden, da er nicht nur die Krefelder Interessen, sondern auch die weiterer Kommunen, wie z.B. Viersen und Venlo oder der Industrie- und Handelskammer berücksichtigt. Hinter den Kulissen war es ein hartes Stück Arbeit, die sich aber gelohnt hat.

Bei den Überlegungen der Arbeitsgruppe spielte Lärmschutz eine große Rolle. Dabei vertraten alle die Meinung, dass Güter auf die Schiene gehören, jedoch nicht durch die Stadtzentren. Wenn Bürgerinnen und Bürger betroffen sind, sollen sie auch Lärmschutz erhalten, egal ob sie an einer im Neubau oder an einer schon in Betrieb befindlichen Strecke wohnen. So haben derzeit Bürgerinnen und Bürger, die an einer bestehenden Trassen wohnen, rechtlich keine und technisch nur eingeschränkte Möglichkeit auf Lärmschutz, auch wenn sich die Verkehre drastisch erhöhen.

Die Arbeitsgruppe bemängelte das schlechte Handwerkszeug, mit dem der Bundesverkehrswegeplan erarbeitet wurde. So sind u.a. für die Güterschienenverkehrstrassen vom Hafen Antwerpen ins Ruhrgebiet keine näheren Untersuchungen erfolgt. Somit fehlen wichtige Unterlagen um eine qualifizierte Stellungnahme erarbeiten zu können.

Es wurde im Streckenabschnitt Mönchengladbach – Rheydt – Krefeld – Viersen – Krefeld nicht untersucht. Die Themen Lärmschutz, Erschütterung und Gefahrgut wurden nicht betrachtet und auch nicht die jetzt schon zunehmende Belastung mit Güterschienenverkehren und die für ein Oberzentrum miserabel schlechte Anbindung an den Regional- und Fernverkehr, die ebenfalls freie Verkehrskapazitäten benötigt.

Sollte der BVWP-Entwurf nicht geändert werden, wären 80.000 Bürgerinnen und Bürger betroffen und dies in stärkerem Maße, als wir in den 15 Jahren zuvor befürchtet hatten. Denn es würden nicht nur die Verkehre vom Hafen Antwerpen, sondern auch die Verkehre vom Rotterdamer Hafen als südlicher Bypass der Betuwe-Linie durch Krefeld fahren.

Dank gilt aber jetzt schon den Bürgervereinen, Vertretern der Ratsfraktionen und der Verwaltung, dass Krefeld mit einer Stimme spricht:
GEMEINSAM.BESSER